Ich habe nie wirklich sprechen gelernt. Doch, doch, irgendwann konnte ich ja sprechen. Wenn ich den Aussagen meiner Oma, meiner Tanten und Onkeln Glauben schenken darf, dann habe ich viel und unentwegt geredet. Aber ich habe nie richtig den Umgang mit meinen Gedanken und Worten gelernt. Noch heute, wenn ich etwas gesagt habe, denke ich häufig: „Ach hätte ich lieber geschwiegen…“. Kann sein. Manchmal erlebte ich Boshaftigkeiten oder Zurückweisungen: „Sei still“ – „Du bist nicht gefragt“ – „Was soll der Blödsinn?“ Worte taten mir weh. Anscheinend taten meine Worte auch anderen weh. Fühlten sich nicht verstanden. Ich mich auch nicht. Sprechen machte mir Angst.

Angst überwindet man, in dem man das was Angst macht direkt angeht. Also ran ans Sprechen. Ich wurde Autodidakt im Umgang mit Menschen und Worten. Heute weiß ich, dass das Sprechen menschliche Gemeinschaften wirklich funktionieren lässt. Trotz dessen, das Aussagen wie: „das sind ja nur bloße Worte“ und „ich habe ja nur bloß gesagt“ uns manchmal vermitteln, das Worte oder das Gesagte unserer Aufmerksamkeit nicht würdig sind. Keineswegs. Eher ist es eine unglückliche Einstellung. Denn, ich zitierte aus Max Black –Sprache, „Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das sprechen und Symbole (Wörter, Zeichen, Bilder, Ziffern …) gebrauchen kann. Er allein kann die Kluft zwischen einer Person und einer anderen überbrücken, indem er Gedanken, Gefühle, Wünsche, Verhaltensweisen, gemeinsame Traditionen, Vereinbarungen, das Wissen und den Aberglauben seiner Kultur vermittelt; er ist das einzige Lebewesen, das wirklich verstehen und missverstehen kann.“

Nicht nur deshalb ist Sprechen eine ernste Sache, sondern auch weil man beim Sprechen und mit der Sprache blödeln kann (Wortspiele, Satire, Ironie, Witze). Aber um das zu können, muss man Sprache und Sprechern ernst nehmen. Dazu haben wir unsere Intelligenz. Intelligenz ist die Fähigkeit zum Erreichen eines Ziels neuartige Mittel anzuwenden. Sprache und Sprechen ist die Möglichkeit es den anderen (wenn erforderlich) mitzuteilen (ja, mit ihnen zu teilen) und verständlich zu machen.

Ist aber nicht so einfach.

Sprechen ist ja ein kreativer Prozess, in dem sich erlebte Bedeutungen verändern.

Bedeutungen sind nicht für jeden gleich. Sie werden unterschiedlich erlebt.

So gibt es Verständnisse wie Missverständnisse. (Was alles kann ein „Ja“ bedeuten?)

Das „Miteinandersprechen“ gleicht eher einem Labyrinth.

Und doch, wir brauchen das „Miteinandersprechen“, weil es Freude und Freunde macht.

Freude brauchen wir, weil es das Leben in jeder Situation leichter macht.

Freunde brauchen wir, um gemeinsam Spaß zu haben oder um gemeinsam etwas zu schaffen.

Ohne die anderen ist alles Nichts!

Wollen wir wirklich Freude und Freunde haben, dann sprechen wir so mit anderen, dass diese es auch verstehen und annehmen können und hören den anderen so zu, dass wir den Punkt erkennen können, den der andere auch wirklich gemeint hat.

Das lehren Rhetorik und Dialektik. Im Alltag erleben viel eher Behauptungen und Urteile. Das aber verhindert Verstehen.

Angewandte Dialektik (konkrete Gespräche) bemüht sich um die Unterschiedlichkeit um damit das Verstehen zu erleichtern. Im Buddhismus und in der angewandten Dialektik strebt man danach, weder andere noch sich selbst zu beurteilen.

Angewandte Rhetorik (die freie Rede) bemüht sich um den geschickten Umgang mit Worten für Menschen, um deren Zustimmung zu erreichen. Jedoch nur in der Freien Rede in der Öffentlichkeit. Anders den Begriff angewandt ist eher TRIVIAL-RHETORIK im Sinne dunkler Manipulation.

Um Missverständnisse, Manipulation, Betrug, Verschleierung beim Sprechen mit Menschen zu vermeiden, ist das Sprechen eben eine ernste Sache, die durch Teilen Freude und Freunde macht.

„Wenn wir etwas sagen, das uns nährt und den Menschen in unserer Nähe guttut, dann stärken wir Liebe und Mitgefühl“ (Thich Nath Hanh)