Es gibt die verschiedensten Orte, die zum Ankommen einladen. Einige haben wir „angeschaut“. Einige wiedererkannt. Seltener waren es Orte am Meer, am See, am Fluss.

Fluss, See, Meer hatten eher die Bedeutung einerseits für die Ernährung, andererseits für das „Göttliche“, das eigentlich „Schöpferische“. Manchmal waren sie gar Götter selbst. Für uns so genannten zivilisierten Menschen haben Orte am Meer, See, Fluss eine höhere Bedeutung für das Ankommen. Nicht nur im touristischen Sinne. Ganz gleich ob man am Meer im weichen, feinen Sand oder auf einer Klippe sitzt oder an ihm entlang geht, die Gischt fast das Gesicht berührt, das man meint, das Salz zu schmecken, immer schenkt uns das Meer mit dem ständigen Auf und Ab der kleinen wie größeren Wellen und der fast magischen Aufforderung in der schier unendlichen Weite Licht zu suchen (und manchmal auch zu finden, mindestens aber zu sehen) neue Ideen für eine leidenschaftliche Lust am Leben.

Der Fluss gleitet, manchmal gemächlich, manchmal schnell, manchmal reißend von der Quelle bis zur Mündung dahin. Nimmt alles mit. Niemals kann man an der gleichen Stelle in den gleichen Fluss steigen. Das Fließende ist elementar, nicht das Ankommende. Der Fluss nimmt Sorgen, Nöte, Leiden, Kummer und Schmerz mit – irgendwohin. Vom Ballast befreit machen wir uns auf den Weg. Hoffentlich unseren eigenen.

Der See ist ein Ort des Ankommens, wenn wir ein Boot oder ein Floß haben. Leicht schaukelnd nimmt unsere Seele Platz. Sieht das Trennende und das Vereinende. Besinnung auf das Wesentliche wird leichter. Zurück am Ufer finden wir uns in uns selbst zurecht. Die Vollkommenheit wird bewusst.

Bei meiner persönlichkeitsbildenden Arbeit, Coaching mit den unterschiedlichsten Richtungen und Zielen, verwende ich Meer, See, Fluss als jeweiligen sinnstiftenden Ort. Das Meer, wenn es eher darum geht den Wandel und den Wechsel einzuleiten. Den Fluss, wenn es darum geht Behinderungen auszulösen. Den See, wenn es darum geht ein Bewusstsein für seinen persönlichen „Reichtum“ zu entwickeln.

Sind Urlaubsorte ein Ort fürs Ankommen? Für den einen oder anderen schon. Selbst für mich ist das eher fraglich, obwohl, wenn ich nach Italien reise und über die Grenze fahre, dann erlebe ich mich als sei ich hier geboren. Spaßeshalber sage ich dann: „Vermutlich bin ich ein verwunschener Etruskischer Prinz“. Urlaubsort sind Orte für kurzfristiges Verweilen zur Erholung, Erinnerung. Pausenorte ähnlich wie Pausenbrote.

Ein Gedanke noch zu den „schrecklichen“ Orte. Gemeint sind Orte, die zum Ankommen einladen sollen, auch so gemeint sind, aber es eben nicht erfüllen: Arbeitsräume aller Art wie Werkstatt, Büroraum, Arbeitszimmer, Kantine, Sitzungszimmer, Meeting-Raum, Seminarraum, Gerichtssaal, Plenarsaal u.a.m. Würde man diese Orte wirklich als Orte, die zum Ankommen einladen, ganz gleich aus welchem Grund, konzipieren, dann wäre das sinnreiche Erfüllen der jeweiligen Aufgabe wirklich möglich. Was ist, wenn wir blind sind? Fühlen wir dann den Ort? „Sieht“ man dann das Eigentliche des Ortes eher? In Hamburg gibt es eine Ausstellung „Dialog im Dunkeln“. Hier ist alles so gestaltet, dass es für Sehende erscheint als seien sie blind. Ich war erstaunt, denn auch „bei Lichte besehen“ waren die Räume so, als seien sie für das Ankommen bestimmt. Der menschliche Geist konnte sich ausbreiten, die Worte verhalten nicht einfach, sondern wurden gehört. Und nicht nur Worte sondern auch Geräusche, Klänge (leise, zärtliche. laute, gewöhnliche) wurden deutlicher. Die Wege, die es galt zu gehen wurden klar, wenn auch nicht sichtbar. Leben wurde elementar.

Bei den Management-Autoren Förster/Kreuz las ich in ihrem Buch „Hört auf zu arbeiten“ zum ersten Mal etwas von einem Ort namens VARANASI. Einem Ort an dem alles nebeneinander lebt: Tod wie Geburt. Pilger wie Touristen in Scharen, fliegende Händler, Asketen, urinierende Hunde, spielende Kinder, schimpfende Ladenbesitzer, eine verbrennende Leiche… In VARANASI herrscht ein immens Grundvertrauen, dass alles, was den Menschen ausmacht, eben dazugehört und alles gut ist, wie es ist. Es gibt kein Wegschieben, kein Augenverschließen, ganz gleich von welchem Schicksal, welchem Problem, welcher Art des Lebens. Alle sind da, alle sind angekommen. So sollten alle Orte sein, die zum Ankommen einladen. Orte des JETZT.

Ganz gleich welcher Ort es ist, ob nun als Ortswechsel, ob innerhalb einer Reise, ob VARANASI oder einer der hier beschrieben Orte, immer sollte es der Ort sein, der meine Seele zu Ankommen einlädt.

Am allerbesten die Mitte meiner Persönlichkeit. Ganz gleich an welchem Ort sie verweilt.