Sie wissen schon: Ankommen bedeutet schlicht ein Ziel zu erreichen, dann: Gefallen finden, einen Geschmack treffen, wohlwollend aufgenommen werden, oder auch: der entscheidende, wichtige Punkt sein. Ich definiere Ankommen als vollkommene Liebe zur Freiheit der Seele. Bisher haben wir einige Ort, die zum Ankommen einladen, vor unserem geistigen Auge „angeschaut“ Beim Lesen bestimmte Orte vorgestellt und vielleicht denjenigen Ort oder diejenigen Orte, die zum Ankommen einladen und damit Sprechen und Zuhören gelingen lassen, erkannt. Hier und jetzt geht es mir um weitere, solche, die für uns ganz selbstverständlich erscheinen, z.B.  der Marktplatz. Ganz gleich ob belebt oder leer, ob Wochenmarkt oder geselliges Beisammensein, ob schön oder nur zweckmäßig. Immer schon war es der zentrale Platz eines Ortes, eines Dorfes, eine Stadt. Es ist der Ort des Verstehens. Der Menschen, die hier leben, die Häuser, die hier gebaut wurden, die Geschäfte, die versorgen, das Leben, wie es hier gelebt wird. Der Marktplatz ist der Ausdruck der Seele eines Ortes. Jede Seele braucht Schutz. Deshalb lädt der Marktplatz nicht alle zum Ankommen ein. Aber die Wenigen die er einlädt sind Seelenverwandte.

Lange habe ich überlegt, ob ich überhaupt einen Gedanken zum Haus, der Wohnung, dem eigenen Garten, der Parzelle, in diesem hier gemeinten Sinne verschwenden sollte. Und immer noch bin ich hin- und hergerissen. Dient ein Haus, eine Wohnung, ein Garten, eine Parzelle nicht eher dem eigenen Schutz als der Einladung zum Ankommen? Ist es nicht ehr „mein Heim“? Hinzukommt., dass ganz gleich zu welcher Zeit, zu welcher Epoche immer waren sie irgendwie stereotyp. Ich kannte noch die Veranda als „Empfangsraum“ für alle die nicht weiter eintreten durften (Ableser, Postbote, Nachbarn, Fremde). Oder die Diele, die den gleichen Zweck erfüllte. Auch das Brimborium, dass vorher gemacht wurde bevor Gäste kamen (Abstauben, Wischen, Putzen, ordnen, verstecken). Ich wohnte, aber war meine Wohnung auch ein Ort des Ankommens? In meiner Studienzeit wohnte ich in einer WG. Dort gab es einen Raum für uns alle aber auch für alle die zu uns kamen. Hier diskutierten, stritten, tranken, aßen wir. Einige, die hier nicht wohnten, wollten meist nicht weg. War das ein Ort, der zum Ankommen einlud? Als Kleinkind, auch noch als Schüler, war mein der Ort, der mich zum Ankommen einlud, der Platz unter dem Küchentisch. Heute wünsche ich mir das unsere Häuser, Wohnungen, Parzellen, Gärten so geplant und gebaut werden, dass sie mindestens einen Raum haben, der ein Ort ist, der Andere zum Ankommen einlädt.

Als wir noch „Jäger und Sammler“, teils sesshaft, meistens nomadisch, waren, da war es wesentlich, dass wir uns zum „Ankommen“ Orte schafften, Thing-Stätten, Steinkreise, das besondere Tipi, magische Ort also, an denen Menschen zusammenkamen, um bestimmte Themen zu besprechen, Ruhe und Besinnung zu finden, weise Urteile zu fällen. Da wir fast ständig irgendwie in Bewegung waren, waren diese Orte für die über das Existenzielle hinausgehende lebensbejahenden Themen notwendig. Zum Ankommen eben.