Wo darf ich ankomme? Hier? Wo kann ich sein? Wo lebe ich mich, erlebe ich? Vielleicht hier? Im Park – oder?

Zu Ankommen lädt er mich ein, der Park, unabhängig ob groß oder klein, ob ich ihn mag oder nicht. Hamburg ist eine Stadt, die in allen Stadteilen mindestens einen Park hat. Ein Segen für uns die wir hier wohnen und für alle anderen Besucher.
Sind zu viele da, dann ist das Ankommen schwer. Man ist eher von den Menschen, als von den Bäumen, Sträuchern, Blumen, Wiesen, der Architektur fasziniert. Also abgelenkt. Morgens, wenn der Park noch nahezu „unschuldig“ ist, dann lädt er zum Ankommen an, umschmeichelt den Besucher mit seiner Schönheit, ja fast verwegenen Laszivität. Du bist da und bist eins mit dem Ganzen. Parks sollte man deshalb nicht abschließen. Dort wo es Usus ist, dort klettere ich schon mal über das Tor, als schleiche ich mich zu einer heimlichen Geliebten. Immer wieder bin ich erstaunt wie sehr ich dann da sein darf.

Mit dem Wald ist das nicht so ganz einfach. Groß und mächtig stehen die Bäume mit ihren gewaltigen Kronen oder dem immergrünen Gewand da, beschützt von den Büschen und Sträuchern, die auch dann noch schützen, wenn sie struppiges, trockenes Unterholz sind. Es riecht zwar verlockend gut, verheißt einiges, aber es ist dunkel, die Sicht etwas eingeschränkt. Obwohl?! Nun, wenn man die behütenden Waldgeister um Einlass bittet, dann geht es doch. Dann lädt uns der Wald zum Ankommen ein. Wir dürfen ein Teil von ihm sein. Mit seinen Geistern gibt er uns Schutz, Zauber, Teilhabe und Ruhe. Vergessen Sie nie, wenn Sie den Wald verlassen, sich am Ausgang bei den Waldgeistern zu bedanken. Sie dürfen wiederkommen.

Die eigentliche Bestimmung eines Hafens ist es, dass dort Waren ankommen und „umgeschlagen“, also weitergeleitet werden. Aber ein Ort der zum Ankommen einlädt? Hafenstädte scheinen etwas magisches für Menschen zu haben. Erklären kann man das nicht. Das Gewirr von mächtigen Kränen, Schiffen, Lastwagen, Container scheint eher dagegen zu sprechen. Auch die flinken „Ameisen“ die fast ferngesteuert lautlos Container hin und her bewegen machen eher Angst als Freude. Dennoch, Hafen bedeutet Ankommen. Nicht nur für Waren, sondern auch für Menschen: Seeleute, Passagiere, Reisende. Nach all der Zeit auf den Flüssen, den Seen, dem Meer gibt es Land unter den Füssen. Der Hafen lädt nicht nur zum Ankommen ein, sondern erdet. Ich lebe in Hamburg. Der Hafen ist für mich ein bedeutender Punkt der Lebendigkeit und der Stille. Kein Paradox. Am späten Abend, auch manchmal nachts gehe ich langsam auf dem schmalen Weg hinter dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, zur Elbe gewandt, vor mir die Landungsbrücken, dahinter die beleuchteten Docks und Kräne. Überwältigt bleibe ich stehen. Gedanken fließen ruhig dahin. Der Weg heißt „Bei der Erholung“. Was für eine Einladung zum Ankommen.