Ankommen bedeutet schlicht ein Ziel zu erreichen, dann: Gefallen finden, einen Geschmack treffen, wohlwollend aufgenommen werden, oder auch: der entscheidende, wichtige Punkt sein. Ich definiere Ankommen als vollkommene Liebe zur Freiheit der Seele. Schauen wir uns doch mal verschiedenste Orte an. Vielleicht erkennen wir denjenigen Ort oder diejenigen Orte, die zum Ankommen einladen und damit Sprechen und Zuhören gelingen lassen. Hier und Heute:

Der Beichtstuhl. Nicht unumstritten. Auch, weil ihn immer weniger Menschen wirklich nutzen. Auch, weil die Beichte mit vielen Vorurteilen belastet ist. Auch, weil man glaubt, man müsse unbedingt katholisch sein. Auch, weil die Therapeuten-Coach oder der Coaching-Raum vielleicht dessen Funktion übernommen hat. Unabhängig davon aber kann es ein Raum des Ankommens sein. Man tritt ein, schließt den Vorhang hinter sich, es ist still, Besinnung ist möglich. Der Kniefall ermöglicht eine Demuth vor sich selbst. Es ist genau der Ort, an dem man seine Vergangenheit zur Sprache bringen (Sünden hin oder her), offen und ohne Scheu über Brüche auf dem bisherigen Lebensweg reden kann. Mit allem was man bisher getan hat (gut oder schlecht) kann man ankommen. Sich mit sich selbst und seinen Lebensentwürfen auseinandersetzen und Frieden schließen kann. Ganz gleich ob man eine Absolution will oder bekommt, man genießt den Augenblick, steht auf, tritt heraus in die Wirklichkeit – ein neuer Ort.

Der „neue Ort“ ist dann die Kirche (aber auch der Tempel, die Moschee, Synagoge, der Betraum). Das kann auch ein Ort des Ankommens sein, hat aber andere Aufgaben, eine andere Bestimmung, ist ein „Gotteshaus“, also eher ein fremder Ort. Dennoch – ich suche gern eine Kirche, Kapelle, einen Dom auf (weil mir diese Orte aufgrund meiner religiösen Erziehung und buddhistischen Weltanschauung näher liegt). Bei all meinen geschäftlichen wie privaten Reisen zu Gesprächen, Meetings, Kontakten, Recherchen plane ich den Besuch zeitlich wie örtlich ein. Ich gehe hinein, ganz gleich welcher Konfession dieser Ort zugehörig ist, verweile einige Minuten, komme bei mir an und fühle mich gewappnet für all das, was danach kommt. Ankommen in doppeltem Sinn.

Manchmal, wenn ich längere Zeit an einem Ort weile, dann suche ich den Friedhof des Ortes, des Dorfes, der Stadt auf, meistens um die Menschen des Ortes, die die noch leben, zu verstehen. Paradox? Nicht unbedingt. Grabsteine, Gräberpflege, Beschriftungen, Grabschmuck sagen viel über die Menschen aus, die hier gelebt haben und die hier noch leben. Wie man mit seinen Ahnen umgeht, so geht man auch meist mit sich selbst um. Verscharrt, verbrannt, vergessen oder liebevoll erinnernd. Und mitten in der Unruhe der Beschäftigung mit den eigenen Vorstellungen spüre ich die Ruhe, den heilenden Balsam der Stille. Ich darf ankommen. Hier, als auch in der Stadt, dem Dorf, dem vorübergehenden Quartier. Ich kann schwungvoll und behutsam meine Arbeit tun. Ganz gleich welche.