Beschäftigt man sich mit der Sprache und dem Sprechen, unabhängig ob mit Kommunikation, Rhetorik, Dialektik, Linguistik, Lyrik, Hermeneutik, Philosophie und auch unabhängig von Motivation, Neugier oder Notwendigkeit, dann erfährt man sehr viel über die Technik und Methodik das Redens und Sprechens mit und vor Menschen, auch noch etwas über die Persönlichkeit des Sprechenden, aber wenig bis gar nichts über die Orte die zum Ankommen einladen und damit zum Gelingen beitragen. Warum?

Der Ort ist aber wichtig sowohl für den Sprechenden als auch den Zuhörenden.

Ganz gleich ob es ein Gespräch zu zweit oder eine Rede, Vortrag, Präsentation vor Gruppen ist. Beide benötigen einen „festen Stand“, einen „festen Ort“, am besten einen, an dem sich beide wohlfühlen. So können das Sprechen und das Zuhören wirklich gelingen. Die Lehre verwendet wenig Gedankengut darauf. Meist geht es um das Produkt selbst, manchmal auch um den Sprechenden.

Auf dem tosenden Meer spricht es sich anders, als bei lauem Wind am Strand. Zwar wäre es auch sinnvoll an beiden Orten gar nicht zu sprechen, sondern einfach nur zu sein und zu genießen. Das ist hier aber nicht gemeint. Gemeint ist, wenn man etwas sagen will und auch hören will, der Ort, der dazu einlädt. Um gut sprechen und zuhören zu können muss man erst angekommen sein. Es geht um Orte, die zum Ankommen einladen. Derer gibt es aber viele. Wird deshalb so wenig darüber gesagt, geschrieben, gelehrt, weil es bei allen Gesprächen eher um die Bewegung – der Weg ist das Ziel – geht? Oder weil Eile, Hetze, Hast, „keine Zeit zu haben“ eher schick sind und es deshalb erst gar nicht zulassen, sich Gedanken über das Ankommen zu machen? Es überhaupt als sinnvoll zu erachten? Oder ist der Ort, der zum Ankommen einlädt, einfach nur der Ort, an dem wir uns gerade befinden? Auch dann, wenn wir in Eile sind?

Also sind wir immer an irgendeinem fremden Ort. Stimmt das, dann muss es doch geradezu geboten, wenn nicht gar notwendig sein, den „fremden Ort“ zu eigen zu machen, um uns nicht fremd zu fühlen und so ankommen zu können.

Damit die Fremdheit abgebaut werden kann muss man den Ort nicht bewerten, beurteilen, irgendwie empfinden, sondern ich nehmen wie er eben ist. Geht das überhaupt? Wenn ja, dann brauchen wir viele mehr Fertigkeiten weit über das eigentliche Sprechen hinaus oder vielleicht die Beratung durch eine Locations Agentur?

Ankommen bedeutet schlicht ein Ziel zu erreichen, dann: Gefallen finden, einen Geschmack treffen, wohlwollend aufgenommen werden, oder auch: der entscheidende, wichtige Punkt sein. Ich definiere Ankommen als vollkommene Liebe zur Freiheit der Seele. Schauen wir uns doch mal verschiedenste Orte an. Vielleicht erkennen wir denjenigen Ort oder diejenigen Orte, die zum Ankommen einladen und damit Sprechen und Zuhören gelingen lassen. Das erfolgt in mehreren Teilen, so alle 10 Tage!