79 – und dann? So alt bin ich. Rente ab 68 – geht das? Zuerst impfen wir die „Alten“, die über 80jährgen, dann die über 70, dann die über 60! Warum, weshalb, wieso? Einerseits priorisieren wir sie, andererseits „sperren“ wir sie in „Altenheime“ ein. Stallhaltung für „Alte“. Was machen wir mit den „Alten“. Und was machen die „Alten“? So über Reisen und Rasenmähen hinaus? Und sie werden immer mehr die „Alten“ (rein demografisch). Und ab wann ist man überhaupt alt? Ab Fünfzig? Oder erst ab 90? Ab wann haben wir noch eine gute durchschnittliche LEBENSERWARTUNGSZEIT. Ja, die Grenzen unsere Lebenserwartung haben sich verschoben und verschieben sich noch weiter.

Aber was nun machen denn die vielen „Alten“? Welchen Beitrag, außer ihrer Vergangenheit und ihren Erfahrungen, leisten die „Alten“ noch für unsere Gesellschaft? Die Enkel sind in Kitas, im Kindergarten, der Vorschule, Schule – und die restliche verbliebe Zeit wollen sie mit ihren Eltern verbringen. Was machen also die „Alten“? Nicken sie freundlich über das Gedeihen der Enkel wie diese chinesischen Wackel-Katzen, fallen sie auf „Enkeltricks“ rein, verteilen sie ihr Geld, oder horten sie es, um dann mir dem „Erbe“ zu winken?

Antworten darauf finde ich nicht. Nicht mal für mich selbst. Und es stimmt, „Altsein“ ist kein „Zuckerschlecken“, manchmal auch keine richtige Freude, mit viel zu vielen schwierigen wie traurigen Dingen wird man als „Alter“ konfrontiert. Oft ist man erschöpft, besorgt, wütend, von Krankheiten bedroht, dessen Namen man nicht einmal aussprechen kann, die neu sind, z.B. Corona, mit technischen Dingen überfordert, manchmal schon, wenn man einen neuen E-Herd gekauft hat und ihn nutzen will oder ein neues Iphone, TV-Gerät nebst neuem Anbieter. Es gibt so viel zu tun. Was sollen die Alten denn sonst noch tun?

Und doch, „Alte“ sind interessiert, neugierig, langweilig, missmutig, fröhlich, sie sind heiter wie reizbar, witzig, mürrisch, egoistisch, launisch, fordernd aber auch dankbar, hilfsbereit. Sie haben Katzen und Hunde, Pferde, Vögel, Freunde und Freundinnen, Partner und Partnerinnen. Pflegen Modeleisenbahnen, den Garten, das Haus. Haben Häuser auf Mallorca. Reisen um die Welt. Sie haben aber auch Kinder erzogen, Landkarten gemalt, Kriege durchlebt, Böden gewischt, Ruinen ausgegraben, Mülltonnen geleert, sich ums Essen gekümmert, gearbeitet: selbständig, abhängig, unternehmerisch, freiheitlich, kreativ, musisch. Sie haben Rollen gespielt und erfüllt. Sorgen geteilt und vorgesorgt. Ja, das stimmt. Sie sind alles und haben alles gemacht. Und nun?

Gerade deswegen sollten die „Alten“ im Alter noch was tun. Genau das, was sie noch können. Ich selbst möchte nie aufhören etwas zu tun von dem ich glaube, dass es mehr ist als Tennis- oder Golfspielen, mehr als Gartenarbeit, mehr als gelegentliche Besuche bei den Kindern, mehr ist als freundlicher Umgang mit den Nachbarn ist. Ich will einen Beitrag leisten, der auch nach meinem Tod von Bedeutung sein kann. Deshalb leiste ich persönlichkeitsbildende Arbeit. Und ich kenne Einige, die im „Alter“ engagiert arbeiten und Neues schaffen und manches davon auch noch weit über das individuell geltende hinaus. Weil sie wissen, dass Bewegung immer elementar ist, ganz gleich in welchem Alter. Und mit allem was wir tun, ganz gleich in welchem Alter, muss Bewegung ins Spiel gebracht werden, jetzt – und für die Zukunft.

Das können wir „Alten“ tun: Wahrnehmen – Zuhören – Neugierig bleiben – klar miteinander sprechen – nicht lügen – ermuntern – aufbauen – gestalten – den Lebensraum vergrößern!