Es ist wunderbar, wenn sich Menschen miteinander austauschen, miteinander diskutieren, Gedanken teilen, in Kontakt bleiben.

Und das über viele Kilometer hinweg. Wenn zum Beispiel die Kinder aus dem Haus sind, auf Klassenreise, im Ausland zum Schüleraustausch, oder gar nicht mehr bei uns wohnen, dann ist es herrlich, wenn sie wenigsten etwas „posten“. Und nicht nur dann, sondern gerade in unserer globalisierten Lebenswelt ist es hilfreich, wenn wir Informationen auf diesem Wege austauschen.

Alles gut? Nicht wirklich! Liest man das was da so alles gepostet wird, kann man nicht auf die Idee kommen.

Es gibt da beleidigende und verletzende Inhalte, Gerüchte über bestimmte Personen, fremde Inhalte werden als eigene ausgegeben, negative Sprüche über Kollegen/Vorgesetzte, Detail über Geschäftsreisen, Informationen über den eigenen Status, Dinge, die man eigentlich auf Dauer online nicht sehen will, Bilder von Kindern (eigenen/fremden), Hasstriaden, Beschuldigungen, Unwahrheiten…

„Posten“ ist eine sprachliche Neubildung, die auf das englische Verb post (to post) zurückgeht, das nicht nur bedeutet „eilen“, „dahineilen“; „zur Post aufgeben“; „mit der Post (zu)senden“, sondern auch schon „jemanden informieren“, „unterrichten“ und „eintragen“, „verbuchen“. Somit wird deutlich: Man postet also Beiträge, Fragen, Hinweise, Informationen.

Wo aber bleibt dann die Information, die Nachricht, der Gedanke, das liebevolle Wort?  Man könnte meinen, es geht gar nicht darum, sondern eher nur sich „auszukotzen“ oder „etwas los zu werden“. Dafür gibt es aber Therapeuten. Vielleicht wird Meinungsfreiheit hier falsch verstanden in dem Sinne, man muss zu allem und jedem, auch etwas meinen. Wie wäre es denn mal, wenn man „postet“, wenn man auch wirklich etwas zu sagen hat und es auch will.

Die Meinungsfreiheit ist ein Grundrecht der Demokratie. Demokratie heißt aber nicht „Meinungskratie“, sondern eher (sinngemäß) … „die Herrschaft geht vom Volke aus…“ Doch wer herrschen will muss zuerst Verantwortung tragen. Wie wäre es, wenn wir beim nächsten „Posten“ zuerst an unsere Verantwortung denken? Die haben wir nun einmal für alles was wir tun, sagen, schreiben.

Zu meiner Kindheit gab es das Sprichwort „Narrenhände beschmieren Tisch und Wände“.  Sind wir jetzt alle „Narren“?