Keine andere Disziplin ist so populär und allgegenwärtig geworden wie die Psychologie. Weit über das eigentliche Wissensgebiet hinaus beeinflusst sie heute Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft, unser Sprache, unser Denken und Empfinden. Nach meinen Beobachtungen in der Arbeitswelt erinnern mich viele Rituale in den heutigen Unternehmen an solche Selbsterfahrungsgruppen der 60er und 70er Jahre, in denen die Menschen ihr Innerstes nach außen kehrten. Gut das wir mal darüber gesprochen haben! Und dann? Es passierte nichts!

Die elementarste Kompetenz des modernen Angestellten ist es, Offenheit darzustellen, ohne wirklich offen zu sein. Die Neurose feiert Urstände. Im privaten ist es nicht anders. Als unvoreingenommener Betrachter von Meetings, Besprechungen, Jour fixes stelle ich immer wieder fest, sie gleichen eher therapeutischen Selbsthilfegruppen denn Sachgesprächen.

Um was geht es denn bei der Arbeit? Ganz einfach, das sie erledigt wird, getan wird! Getan wird sie, wenn sie fließt. Im Tun und Lassen begreift sich die menschliche Persönlichkeit und wird für andere begreifbar. Entscheidungen sind Zeichen des Wirkens. Durch sie wird der Mensch körperlich wie geistig präsentiert. Jeder muss handeln können. Das ist untrennbar mit der Persönlichkeit des Menschen verbunden, mit seinem Denken, Fühlen, Handeln, seiner Intuition, dem Körper, der Seele. Aus verschiedenen Gründen wollen alle unser Verhalten beeinflussen – manchmal zu unserem Besten, manchmal zu ihrem eigenen Nutzen. Am deutlichsten wird es bei der Arbeit und durch die Arbeit. Die Arbeit an sich ist es nicht, sie muss einfach nur getan werden, aber immer wieder und immer häufiger werden Entscheidungen von fremden Überlegungen beeinflusst, weil Macht, Geltungsbedürfnis, Neid, Rivalität, im Spiel sind. Wie oft können dadurch wichtige Entscheidungen nicht getroffen werden? Dieser Versuch die künftigen Handlungen von Mitmenschen entscheidend zu beeinflussen, zu lenken wird um so eher gelingen, umso größer die Fremdbestimmtheit und Entscheidungsunfähigkeit des Menschen ist.

Ganz subtil geschieht das meinst durch die unendlich vielen und auch meist unnützen Besprechungen. „Bin im Termin“ – lautet das alltägliche Credo. Und wer arbeitet? Nicht selten sind dann wieder „externen Berater“ notwendig. Unsicherheit, Handlungs- und Entscheidungsschwäche werden manifestiert.

Jeder Erfolg wirtschaftlicher, technischer, wissenschaftlicher, gesellschaftlicher Art entsteht dadurch das etwas getan wird, dass etwas erledigt wird. Noch nie ist ein Mensch durch reden satt geworden, auch nicht durch noch so häufige Besprechungen.