Eine der Maßnahmen gegen die Pandemie heißt: Maske tragen. Tragen die meisten. Aber wie erkenne ich, wer der andere ist? Was sehe ich noch von ihm? Gibt es deshalb Kontaktbeschränkungen, damit wir so nicht in Verlegenheit kommen mit den falschen Menschen zusammen zu sein?

Eigentlich genügt es zu sein – da zu sein, denn im Tun und Lassen begreift sich die menschliche Persönlichkeit und wird für andere begreifbar. Das was wir tun oder lassen zeigt die ganze Schönheit der Person und des Augenblicks. Den Zauber des Kontextes.

Wir leben jetzt und auch weiterhin in verschiedenen Gruppen und Gemeinschaften. Jede Gruppe jede Gemeinschaft fordert was von unserem Sein. Und irgendwann sind wir ohne Haut. Lebende Wesen, die der Luft ausgesetzt sind, brauchen eine Schutzhaut. Und niemand wirft der Haut vor, dass sie nicht das Herz ist. Aber das Herz braucht zum Schutz die Haut. So sind auch unsere Masken ein Schutz für unsere Seele, unser Herz, unsere Gedanken, unser Sein.

Rollen und deren Masken sind bewährter Ausdruck und durchaus bewundernswertes Echo unseres Fühlens, zugleich aber auch wahrheitsgetreu, zurückhaltend, übersteigert, auf jeden Fall schützend. Wir tragen Masken, ganz gleich ob durch den Status, das Sprechen, das Abbilden, dem Gesundheitsschutz. Es wäre töricht, den Masken zu verübeln, dass sie nicht die Dinge selbst sind. Die Maske ist ein lebendiges Wesen. Sie dient unserem Schutz. Je selbstverständlicher wir unsere unterschiedlichen Masken zu den unterschiedlichen Gelegenheiten tragen, umso klarer werden wir für unsere Mitmenschen, umso sicherer können wir mit Ihnen umgehen – und dann auch mit uns selbst. Unsere jeweilige Kompetenz wird sichtbar und erlebbar. Wir werden glaubwürdig.

Manchmal  versteckt die Maske den Träger. Manchmal schützt sie ihn. Manchmal stellt sie ihn auch klar dar, so wie der Träger es eigentlich niemals will. So oder so gibt die Maske dem Träger die Möglichkeit sich vom normalen Leben zu entfernen oder sich als ein Anderer auszuprobieren oder gar in eine andere Daseinsform zu wechseln. Ja, der Träger einer Maske wechselt immer. Was er nicht bedenkt ist, dass seine Gestalt, seine Sprache, seine Macht immer dieselbe bleibt. Nur Theatermasken sollen verdeutlichen, beim Erkennen und dem Verstehen der Handlung helfen. Auch sollen sie den Spielenden schützen, damit er der bleiben kann, der er ist. Masken verbergen das Gesicht. Betrüger, Räuber, Mörder wollen nicht erkannt werden, deshalb tragen sie Masken. Wer nicht erkannt werden will, der will auch nicht die Verantwortung für seine Handlungen, seine Sprache, seine Taten und schon gar nicht für die Folgen übernehmen. Feigheit sei gegrüßt.

Im normalen Alltag darf die Maske kein Eigenleben führen, unkontrolliert sein, denn dann steuert uns die Maske und wir nicht mehr sie. Die eigene wie auch die fremde Wahrnehmung wird getrübt. Wir wissen nicht mehr sicher, ist es die MASKE oder das Selbst. Die Maske in der jeweiligen Rolle wird dann zum Regisseur. Sie steuert unser Verhalten. Wir richten uns nach ihr. Einseitig, zementiert. Deshalb muss man immer und unbedingt zuerst wissen wer man wirklich ist. Lernen wir im Moment „hinter die Maske zu schauen“? Wenn wir alle eine Maske tragen sind wir dann alle gleich? Entscheidet dann das WIR, die Gruppe? Die Gruppe nivelliert sich nach unten, nie nach oben. Sie lähmt das Talent des Einzelnen. Fördert das Gruppendenken etwa nicht das WIR-Gefühl und gibt uns damit Sicherheit? Ja, schon. Vielleicht? Aber sind wir wirklich alle gleich? NEIN! Was hilft? Vielleicht das: Das Wertbewusstsein um die eigene Persönlichkeit trägt den Mensch. Alle seine Handlungen, sein Sprechen sind eine Möglichkeit des SEINS. Die kommunikative Persönlichkeit erfüllt das. Sie strahlt das aus, was tief in ihr steckt! Sie überwindet so die „3 Mauern“ die das Miteinander in unserem alltäglichen Umfeld eher behindert: Die Mauer der Hierarchie – die Mauer der Vorurteile – die Mauer des Verstehens.

Enttarnung durch Erweiterung des Bewusstseins ist vonnöten. Erweiterung des Bewusstseins vollzieht sich jedoch nicht dadurch, dass ich anderen oder mir selbst mehr Wissen und intellektuelles Begreifen vermittele, sondern durch den Zuwachs an Selbsterkenntnis. Etwas anschauen ist die große Zauberformel auf dem Weg des SELBST- Erkenntnis. Weisheit ist die Fähigkeit, alles anschauen zu können und zu erkennen, dass es gut ist, wie es ist. Das ist wahre SELBST-ERKENNTNIS. Haben wir das geschafft, haben wir Mut zur Selbsterkenntnis, dann haben wir eine stabile Brücke zum Eigentlichen, der SELBSTABHÄNGIGKEIT?

Selbstabhängigkeit lässt uns strahlen und wir brauchen kein „Theater“ mehr zu spielen.

Vorbild bewirkt. – Abbild verschleiert. – Kopie macht beliebig. – Originalität bewegt.

Originalität gilt es zu fördern, statt konformes Denken zu unterstützen. Kann ein Einzelner was bewirken? Und kann ich der Einzelne sein? Ja!!!

Wachsam sein!

Richtige Fragen ergeben richtige Antworten.

Niemals den Glauben an seine Ideen verlieren.

Handeln – jetzt oder nie!

Selbstabhängigkeit ist das Wissen, das ich den andren brauche und das ich mir nicht selbst genüge, aber gleichzeitig zu wissen, dass ich dieses Bedürfnis in mir tragen kann, bis ich finde, was ich suche: Mich, Beziehung, Unterstützung, Liebe, Schutz. Selbstabhängigkeit ist die Erkenntnis, dass ich nicht allmächtig bin, dass ich nicht alles kann, dass ich verletzlich bin und dass ich Sorge für mich selbst trage. Sorge für mich selbst zu tragen heißt nichts anderes als für all mein Denken, Sprechen und Tun verantwortlich zu sein. Keine Schuld, nur Verantwortung. Verantwortung für mich selbst zu übernehmen und Herr über mein eigenes Leben zu sein. Ich weiß um meine Abhängigkeiten, bin aber selbst dafür verantwortlich. Selbstabhängigkeit ist geistige wie körperliche Gesundheit.

Selbstabhängigkeit ist Respekt ohne Einschränkung.

Selbstabhängigkeit ist ein Weg. Ein Weg mit vielen Möglichkeiten. Wir entdecken diese Möglichkeiten, während wir auf dem Weg sind. Je weiter für kommen, desto besser sind für gerüstet für unser Leben, das Leben anderer und das Leben ganz allgemein – ganz ohne Angst, nicht zu genügen.