Bei jeder Form der Kommunikation – der wahrhaften wie allen anderen – begegnen wir Menschen.

Manchmal nur für einen Augenblick, manchmal für Stunden, dann wieder für einige Tage, Wochen, Monate. Wenn wir Glück haben, dann begegnen wir einem Menschen, mit dem wir Jahre unseres Lebens gemeinsam gehen können. Immer aber ist die entscheidende und letzte Wahrnehmung eines Menschen: die Einsamkeit.

Jeder Mensch muss seinen Weg, trotz jeder noch so beglückenden oder noch so belastenden Begleitung für ein Stück seines Lebens, allein gehen. Zunächst ist jede Begegnung mit anderen, mit denen wir ein Stück gemeinsam gehen, eine Minderung der Einsamkeit für eine bestimmte Zeit.

Generell ist aber jede Begegnung darüber hinaus mehr, sie verändert uns selbst und auch den anderen Menschen. In jeder Begegnung mehrt oder mindert sich unser physisches, psychisches, emotionales, rationales und soziales Leben – unsere Lebensfähigkeit gar. Manche Begegnungen engen uns ein, lassen uns tagtäglich ein Stück verkümmern, lassen uns mehr und mehr sterben, sind gar tödlich. Manche wiederum befreien uns,fördern uns, entwickeln uns, schenken uns Leben – altes wie neues -, lösen alle Fesseln, bereichern uns in unserer Lebens- und Liebesfähigkeit. Manche schenken uns Orientierung, manche Desorientierung. Manche Orientierung führt uns in leere Wüsten. Manche Desorientierung führt uns auf wunderbare Wege des Lebens, auf Auen des Friedens.

Alles ist, wie es ist, wunderbar, wenn wir kommunizieren. Also sprechen wir zu Menschen, zu möglichst vielen – und ohne etwas von ihnen dafür zu erwarten. Sprechen wir so zu ihnen, wie wir wollen, dass sie zu uns sprechen können, ohne dass sie uns dabei verletzen oder herabsetzen. Sprechen wir so zu ihnen, damit wir alle Begegnungen erleben können, ohne Angst haben zu müssen, nicht zu genügen. Wenn wir nicht die Intention haben, wirklich mit den anderen sprechen zu wollen, dann sind wir nicht Kontext, dann wirkt unser SELBST nicht. Dann wirkt eher unser Verstand. Der Verstand spielt Spiele, Spiele des Rechthabens.

Laufen diese Spiele erst einmal, dann ist direktes Erleben kaum mehr möglich. Um aber erleben zu können, vor allem die Liebe zu jemandem erleben zu können, halten Sie niemals irgendeine Kommunikation zurück. Ohnehin können wir nicht Nicht-Kommunizieren. Kommunikation bildet in jeder Situation durch uns einen Kontext. Ich meine damit nicht die herkömmliche, meist zweidimensionale Bedeutung von Kontakt. Ich meine Kontext-Sein. Gemeint ist der innere Zusammenhang aus ICH, SELBST und SITUATION. Kontext-Sein mit sich selbst, seinem Leben und dem Leben „draußen“ ermöglicht uns das direkte Erleben des Lebens, indem es all das aufnimmt, was man selbst im Leben verleugnet hat. Phantastisch.

Durch dieses Kontext-Sein erreichen wir geistige und körperliche Gesundheit. Kontext-Sein schafft die Möglichkeit, mit allem im Kontext zu sein, auch und gerade mit dem Vergangenen: mit dem was sich ereignet hat, wir aber noch nicht erlebt haben, sondern zurückgestellt, gelagert, eingekellert – aber was noch erlebt werden muss. Es sind unsere Gefühle. Kontext-Sein ermöglicht die Wahrheit herauszufinden, ohne dass wir wieder Recht haben müssen. Es ermöglicht uns zu entdecken, dass wir selbst der Zusammenhang sind, aus dem alle anderen Zusammenhänge fließen. Wir sind der Ursprung von all unserem Erleben. Im Laufe unseres Lebens wählt der Verstand mehr und mehr bestimmte Haltungen aus, mit denen er Recht zu haben glaubt. Dieser Vorgang nimmt notwendigerweise einen Teil unseres direkten Erlebens weg. Wir beginnen das Leben zu leugnen – und zwar ganz konkret in all den Dingen, denen wir Unrecht geben.

Damit aber verkleinern wir die Welt, ohne die Welt wirklich für uns kleiner zu machen. Um diese Haltungen, die ja eigentlich widersinnig sind, aufrechterhalten zu können, benötigen wir eine Unmenge von Energie. Diese fehlt uns schließlich für das direkte Erleben unseres Lebens. Der unheilvolle, schmerzhafte Kreislauf beginnt von vorn. Kontext-Sein kehrt aber diesen Prozess um. Das heißt: Wir erkennen, dass unsere Haltungen nur Haltungen sind, erkennen den Unterschied zwischen uns und dem Verstand, erkennen die Verantwortung. Wir erkennen den Unterschied zwischen dem, was wahr ist, und dem, was unser Verstand daraus gemacht hat. Wir werden frei, erleben direkt, verbrauchen keine Energie nutzlos, nein es fließt uns Energie zu – durch die wunderbare Kraft der Akzeptanz.

Kontext-Sein schafft das gegeneinander Ringen der einzelnen, oft auch widersprüchlichen Haltungen in unserem Verstand ab. Ist unser Geist gesund, dann auch unser Körper. Kontext-Sein heißt nicht, dass nun in unserem Verstand keine Widersprüche mehr vorhanden sind. Oh nein, es wird, gerade wenn wir uns und alles was sonst auch ist, akzeptieren, immer auch widersprüchliche Haltungen geben, denn wir leben ja in diesem Leben und nicht in einem idealen Leben. Aber es wird etwas ganz wundervolles passieren: Durch das Erschaffen des Kontextes und der sich daraus ergebenden geistigen und körperlichen Gesundheit werden die widersprüchlichen Haltungen so gehalten, dass sie uns nähren und unterstützen statt uns herunterzureißen.

Alles wird ganz – wir kommen zu dem zurück, was wir sind: INDIVIDUEN. Individuum bedeutet ja unteilbar zwei- oder das Unteilbare im Menschen. Verstand und Selbst sind Kontext in uns, zu unserem Leben und dem Leben. Wir sind ganz – unteilbar zwei -, wir sind heil. Wir haben Kraft und Macht, wir können uns, und das uns umgebende Leben ganz allgemein lenken. Alles was ich habe, habe ich selbst erschaffen. Akzeptanz bedeutet auch nicht, konfliktlos zu sein, sondern sich vor allem ganz und gar in menschliche Konflikte einzulassen. Wer Konflikte nicht annimmt (sie also nicht akzeptiert), z.B. indem er sie verleugnet, nicht sieht oder sehen will, harmonisiert oder gar bagatellisiert, der verliert seine Lebendigkeit. Erfahrenes und Erlerntes aus einer sich selbst verleugnenden Kindheit gewinnt wieder Oberhand. Dann regiert der Verstand, nicht der Mensch.