Diese Hypothesen werden in 4 Teilen dargestellt. Die Teile 1 und 2 sind bereits dokumentiert. Teil 4 folgt in 10 Tagen. Hier Hypothese 3: Coaches lösen Konflikte – was aber passiert im PRIVATISSIMUM?

Menschliches Zusammenleben ist die unendliche Menge menschlicher Begegnungen. Menschliche Begegnungen realisieren sich auf verschiedenen kommunikativen Ebenen. Immer und zuerst körperlich, dann meist auch sprachlich und dann erst gestalterisch/technisch. Standpunkte, Meinungen, Aussagen, Tatsachen sind unterschiedlicher Ausdruck des Mensch – seins. Sie können gegeneinander stehen. Es gibt Konflikte. Das ist gut und richtig so, denn ein Leben ohne Konflikte ist keines. Leben heißt Atmen, und Atmen heißt Anspannen und Loslassen im rhythmischen Wechsel. Das ist gesichertes Wissen. Trotzdem leben viele Menschen gegenwärtig extrem konfliktfeindlich oder anders ausgedrückt extrem „harmoniesüchtig“. Was sie dabei nicht bedenken, diese Einstellung wendet sich gegen jede Bewusstwerdung.

Die Bewusstheit des Einzelnen individuell zu erhöhen sollte,das vorrangigste Ziel aller Bildung sein – ist es aber nicht.Die meisten Menschen nehmen an, dass das Nichtsehen und Nichtspüren eines Konfliktes ein Zeichen dafür sei, keine Konflikte zu haben. So wollen sie lernen, nichts zu spüren, nichts mehr  wahrzunehmen, stärker zu sein, alles in den Griff zu bekommen. Im Tun und Lassen begreift sich die menschliche Persönlichkeit und wird für andere begreifbar. Ihre Entscheidungen sind Zeichen ihres Wirkens.Jeder muss sich entscheiden können. Dadurch wird der Mensch körperlich wie geistig präsent. Sich entscheiden zu können ist untrennbar verbunden mit seinem Denken, Fühlen, Handeln, seiner Intuition, seiner Seele. Die Entscheidungsfähigkeit des Einzelnen individuell zu entwickeln sollte höchstes Ziel aller Erziehungs- und Bildungssysteme sein, – und damit eben auch des Coachs, denn aus verschiedensten Gründen wollen alle unser Verhalten beeinflussen, manchmal zu unserem Besten, manchmal zu ihrem eignen Nutzen.

Egal – immer wieder werden Entscheidungen von fremden Überlegungen beeinflusst. Dabei sind Bedürfnisse und Wünsche von Macht, Geltung, Neid, Rivalität im Spiel. Wie oft wurden oder werden aus diesen Gründen wichtige Entscheidungen nicht getroffen? Dieser Versuch die Handlungen von Mitmenschen entscheidend zu beeinflussen, zu lenken, wird um so eher gelingen, je größer die Fremdbestimmtheit und Entscheidungsunsicherheit des Einzelnen ist. Will man sich davon befreien, so sind wieder „Berater“ – „Gurus“ – und Coachs gefragt. Aber werden nicht gerade dadurch Fremdbestimmtheit, Unsicherheit und Entscheidungsschwäche manifest?

Eher ist es so: Der erfolg eines Menschen in der realen Welt hängt zum großen Teil davon ab, wie er fähig ist, sich zu entscheiden. Die Fähigkeit eines Menschen, sich sinnvoll und konstruktiv entscheiden zu können, ist eng damit verbunden, wie stark sich seine intuitive Seite, seine rechte Gehirnhälfte und seine konstruktive Gewissenbildung entwickelt haben. Man kann noch so viele Fakten anhäufen, sich Zahlen und Daten einprägen, hervorragende Prüfungsergebnisse erzielen, Wissen jeglicher Art ansammeln. Dies ist zwar für den Erfolg auch nötig; ohne die Intuition, dieses mysteriöse Gespür, bleibt alles jedoch alles nur leblos. Nichts bewegt sich und nichts wird bewegt. Um sich wieder zum Konkreten, zum Leben, zum Zusammenleben hinwenden zu können, muss Bewegung ins Spiel kommen. Innerhalb dieser Bewegung kann dann der gemeinsame Weg projektiert werden. Jeder technische, wirtschaftliche, gesellschaftliche Fortschritt beschwört so viele neue Konflikte und menschliche Probleme heraus, dass Lösungen nur noch im Kontext entstehen können. Große und gewaltige industrielle, gesellschaftliche, medizinische, technische Projekte und Unternehmungen werden in Zukunft notwendigerweise nur unter gemeinschaftlicher Leitung von Kaufleuten, Finanzleuten, Wissenschaftlern, Technikern, Psychologen, Humanisten gedeihen können. Aber die Zukunft ist jetzt. Es wird Zeit, dass wir uns aus dem Gefängnis unserer Spezialisierungen, Prägungen, Sprachlosigkeiten, Selbstdarstellungsshows befreien. Statt dessen, uns gemeinsam mit den Problemen dieser Erde auseinandersetzen, Probleme und Konflikte lösen. Wer weiß, vielleicht gelingt es eines Tages dem Coach? Eindeutig ja, wenn er sich

 

  1. der Entwicklung der Konfliktfähigkeit des Coachees zuwendet, denn Konfliktfähigkeit ist ein überprüfbares Maß der Reife einer Persönlichkeit, wie sie, sichtbar ausgedrückt durch Haltungen, Einstellungen und Handlungen, mit Konflikten umgeht. Es ist die Fähigkeit, Konflikte konstruktiv aufzulösen. Auflösen meint restlos gelöst ohne zu verdrängen oder auf andere Felder, Bereiche, Personen zu verschieben. Konstruktiv meint folgerichtig, sinnvoll aufbauend und dabei für die menschliche Beziehung förderlich. Für die jeweilige Konfliktlösung kann es sinnvoller Weise auch keine Patentrezepte geben, denn in Krisen und Konflikten werden Menschen tätig deren Verhaltens-weisen keineswegs determiniert sind – und daher auch nicht in ihren Aktionen und Reaktionen vorhersagbar. Somit stellt sich jede Krise, jeder Konflikt sehr individuell dar und ist auch nur beschränkt mit einer anderen Krise, mit einem anderen Konflikt vergleichbar. Insofern sind Konflikttheorien auch nicht sinnvoll, sinnvoll ist lediglich: Beobachten und akzeptieren. Und wenn er…

 

  1. für sich selbst und in vorbildhaft die Erkenntnis lebt, um in Krisen und Konflikten optimal reagieren zu können, ist eher vonnöten: Ein gutes und gesundes Maß psychischer und sozialer Gesundheit, die es uns erlaubt, die Gegebenheiten des Lebens so anzunehmen, wie sie tatsächlich sind. – Gute Kenntnisse psychischer und sozialer Mechanismen die helfen, die eigenen/die fremden Reaktionen zu erkennen und zu verstehen und deren Verlauf prognostizieren zu können. – Ein Bild des Menschen, das ausschließlich mit den natürlichen Gegebenheiten des Lebens übereinstimmt, empirisch nachweisbar und von allen Menschen erlebbar ist.- Das Sein des anderen zu wollen ist die Grundlage ethischen Handelns. Ethik, die Lehrte vom sittlichen Verhalten, bemüht sich, in den menschlichen Beziehungen eine konstruktive Konflikthaltung zu schaffen. Sie geht davon aus, dass Konflikte typisch für menschliche Beziehungen ist.

Konstruktiv ist eine Konflikthaltung, wenn die Konfliktpartner sich bemühen, die Konfliktursache, den Übelstand zu verändern, möglichst zu beseitigen. Destruktiv ist eine Konflikthaltung, wenn der Konflikt oder die Situation oder der Partner verändert, manchmal auch „beseitigt“ werden soll.

Es folgt Teil 4.