Nichts ist geregelt, nichts ist klar und eindeutig.

Einige Antworten auf die Frage „Worte – Wege zueinander?“ hatte ich schon gegeben, im Teil 1 „Worte verwirren wo sie nicht hingehören“ und Teil 2 „Sprachpflege ist Körperpflege – nicht Kosmetik“.

Hier sind wieder einige. Auch diese werden nicht die Letzten sein.

Sprache ist beweglich und löst Bewegung aus. Immer wieder gibt es etwas, was man zu dem Zueinander der Menschen auf sprachlicher Ebene sagen und fragen kann. Aber zunächst erst einmal das hier:

Sprechen dient dem Abreagieren wie auch der Entzweiung, auch wenn es vor allem anderen der Verständigung zu dienen hat. Für ein sinnvolles Zusammenleben von Menschen muss deshalb Sprache so sein, dass alle Aussagen nachprüfbar sind, denn wo immer Menschen sich begegnen, ist Vertrauen das Wesentliche. Vertrauen hat aber immer mit Glaubwürdigkeit und Überzeugung zu tun.

Die meisten Sprechenden sind davon überzeugt, dass sie sich verständlich und zureichend überzeugend ausdrücken. Diese Überzeugung ist in aller Regel irrig. Weil diese Überzeugung jedoch allgemein verbreitet ist, fällt es den meisten Menschen nicht ein, dass sie dadurch eher dem Irrtum, der Vermutung, der Verunsicherung Tür und Tor öffnen.

Es fällt ihnen auch gar nicht ein, wenn menschliche Kommunikation möglich geworden ist, dass nicht sie es sind, die das erreicht haben, sondern immer die Liebe der anderen – wobei sie selbst manchmal auch der andere sind.

So sind Feindaggressivität und Vernichtungsaggressivität prägend für unsere Kommunikationskultur. Lautstarke, vehemente Ausreden, Erläuterungen und brüske Ablehnungen sind die Kennzeichnung.

Richtiges Sprechen gibt es nicht, ebenso wenig wie richtiges Denken oder richtiges Schreiben.

Lediglich gibt es ein bestimmtes Sprechen in einer bestimmten Situation: Schauspieler, Redner, Ansager … Unabhängig davon und unabhängig von der kommunikativen Situation, ob nun Gespräch, Konferenz, Besprechung, Verhandlung, Präsentation.

Sprechen Sie so, stellen Sie so Ihre Meinung dar, dass der andere das,
was Sie sagen, zutreffend wiederholen kann. Sagen Sie was Sie zu sagen haben und was Sie sagen wollten, ehe Sie zu sprechen begannen. Irritieren Sie durch Ihr Sprechen nicht den anderen durch eine Art von Wortschwall, Ideenflut, assoziative Ketten Ihrer Gedanken.

Es ist in aller Regel falsch, dass alles das, was Ihnen während des Sprechens einfällt, auch unbedingt sagenswert ist, denn eher wird Ihre sprachliche Darstellung dadurch zu einem amorphen Schwall von Worten, statt eine stabile Brücke, die Ihr Zuhörer zwecks Verständigung begehen kann. Sprache, Sprechen, Verbales und Nonverbales, Geschriebenes und Gezeichnetes … sollte immer und zuerst der menschlichen Kommunikation dienen.

Sie soll das Zusammenleben von Menschen in den verschiedenen Gruppen und Gemeinschaften erleichtern, eben stabile Brücken, gut begehbare Strassen zum anderen sein.

Horst Kusch 15.10.18