Ja, „was geht ab“, wenn wir miteinander sprechen? Ist es ein Interview oder eine „Frage- und Antwort-Spiel“ oder tatsächlich ein Gespräch? Woher wissen wir eigentlich, dass das was der andere sagt wirklich stimmt? Und das was wir sagen?

Das Entscheidende eines Gespräches ist das Ringen um eine breitere und tiefere Erkenntnis, damit als Ergebnis, der bestimmte Grund für das weitere Denken und Tun sichtbar wird. Dazu gehört nicht nur logisch-analytisches Sprechen und Verstehen, sondern vor allem eine unbändige Lust am Spiel mit Frage und Antwort – und der Unterhaltung. Das Interview ist die Befragung einer Person zur Person (Personen-Interview), zur Sache oder zu einem bestimmten Thema (Sach-Interview).

Als unvoreingenommener Beobachter so manchem Gespräch, ob nun privat oder beruflich höre ich eher Irrungen und Wirrungen, Sprüche, Unverständliches – und vor allem Monologe. Soll in einem menschlichen Gespräch wirklich etwas „abgehen“, dann muss in jeder Begegnung alles getan werden, dass wir verstanden werden und auch selber verstehen können. Am ehesten gelingt es, wenn wir so sprechen, dass alle Aussagen – direkt und sofort – nachprüfbar sind, denn wo immer Menschen sich begegnen, zusammenarbeiten und gemeinsam leben wollen, ist Vertrauen das Wesentliche. Vertrauen hat aber immer mit Glaubwürdigkeit zu tun. So ist menschliches Gespräch nichts anderes, als die Wahrheit zu sagen und nicht, mit Worten wahr zu machen, was nicht wahr ist. Gespräche die aus einem „Niagarafall“ von Worten bestehen sind eher Monologe oder Selbstgespräche. Zwar setzen wir mit einer Selbstverständlichkeit voraus, dass sich ein Gespräch von selbst ergibt und glauben, dass wir tatsächlich miteinander sprechen. Das ist ein fataler Irrtum. Fast jeder Teilnehmer an einem „Gespräch“ ist, nach meinen Beobachtungen, nur daran interessiert, monologisierend seine eigenen Thesen, manchmal wissenschaftlich, manchmal meinungsorientiert, meistens behauptend vorzutragen. Die Fragestellung oder das Thema bleibt meist auf der Strecke.

Die meisten Erwachsenen sprechen eher manipulierend, sind stolz auf ihre Motivationen, Tricks, List und Tücke, Im Großen wie im Kleinen, privat wie beruflich, national wie international. Vermutlich deshalb, weil ihm nützlicher als sein Wesen, sein Ansehen im Glanze brillanter Bilanzen, größter Leistungen oder strahlender Bestätigung in Medien erscheint. Und tatsächlich wird in dieser maroden Erwachsenenwelt egozentrisches Verhalten, einseitige Nutzenorientiertheit und Funktionalität eher belohnt als soziales Verhalten. Das Bedürfnis nach Perfektion und Dominanz wird unerschöpflich. Meist drückt sich das durch Wort-Gewalt aus. Dieses bedeutet jedoch Krieg hineintragen in den Betrieb, die Familie, die Gesellschaft. Das kann weder betrieblich noch gesellschaftlich gewollt sein.

Wenn Sie meinen Ja, dann lesen sie nicht weiter. Jedoch, ein kleiner Zweifel genügt, um Spaß an den folgenden Gedanken haben zu können:

Wenn Menschen miteinander sprechen, dann kommt es weniger darauf an Wort-Gewalt gegen andere zu verwenden oder phantastische Reden zu halten oder exzellent zu sprechen, als mehr auf das Miteinander von Menschen. Jeder unnatürliche Sprachgebrauch der Menschen führt dazu, dass sie mehr und mehr von der Wirklichkeit isoliert sind. Missbräuchlichen Beeinflussungen durch Vereinfachungen, Zeitraffern und Stereotypen sind so Tür und Tor geöffnet, siehe BILD, manche Politikeraussagen, Sprüche von Managern. Es kommt also nicht darauf an, dass die bessere Rhetorik, geschliffenere Dialektik „siegt“, sondern es kommt allein auf die bessere Sache, das bessere, verständliche Argument an. Das macht dauerhaft Entwicklung und Fortschritt von Systemen (Familie, Betriebe, Institutionen, Nationen) im menschlichen Sinne möglich. Genau darin liegt der Sinn des Gesprächs begründet. Der Zweck ist das Denken in Bewegung zu bringen. Der Nutzen ist der gemeinsame Erkenntnis-Zuwachs.

Das menschliche Gespräch ist nicht Show, nicht Theater, nicht Verstellung, sondern zähes Bemühen um den anderen, die Wahrheit, die Sache, das Problem.

Jeder Mensch verbringt den größten Teil seiner Zeit in Gruppen. Um sich darin ohne Dominanz und ohne nicht-notwendige Anpassung behaupten zu können, muss man selbst wissen, wer man ist, was man kann und was man aufgrund dessen erfüllen und leisten kann. Das jedoch keineswegs einseitig festgeschrieben (Diplome, akademische Grade, Zeugnisse, Hierarchien, Rollen …), sondern immer wieder neu als Orientierung in sich selbst, so dass man nie die Angst haben muss, sich verlieren zu können. Das wichtigste Ziel aller menschlichen Begegnungen (sprachlich wie nichtsprachlich) ist die Steigerung persönlicher Gesundheit und Zufriedenheit im Leben.

Das gelingt dadurch, dass wir durch ihren realen Gebrauch lernen, uns wirkungsvoller auszudrücken, unsere Denkvorgänge in Ordnung zu bringen und verlässliche Normen für Urteile, Bewertungen und Entscheidungen zu entwickeln. Sie ermöglicht dem Sprechenden ohne sich zu verbiegen, immer und zu jeder Zeit den fairen Umgang mit Menschen und Worten.