Hören definiere ich in diesem Kontext als einen bewussten kommunikativen Akt, der die Aufmerksamkeit des Hörenden in besonderer Weise herausfordert. Auf jemanden oder etwas zu hören, das bedeutet sich herausfordern zu lassen. Der Hörende verlässt das Stadium der Distanz, des Desinteresses oder der Lethargie und wird aktiv. Hören als Herausforderung bedeutet damit auch eine innere Veränderung im Menschen. (Dr. Baldur Kirchner in „Benedikt für Manager“)

Zuhören ist die Fähigkeit, während eines Sprech-Vorgangs (eines kommunikativen Aktes) seine eigenen Vorstellungen, Wünsche und Erwartungen zurückzunehmen und sich ganz auf den Sprechenden und dessen Anliegen zu konzentrieren. Das geht nur dann, wenn man alle Vorurteile, festgelegten Begriffe, Alltagsinteressen bei Seite lässt. Nur ein empfangsbereiter Sinn kann verstehen.  Erst durch die volle Aufmerksamkeit zu einer Sache, einer Person vermag man hören. Zuhören ist nicht uneingeschränkte Verfügbarkeit, sondern aktiv zuzuhören, so dass man das Wesentliche versteht. Das Wesentliche ist das, was der andere auch wirklich gemeint hat.

Zuhören ist die Voraussetzung für das Verstehen. Das Verstehen ist die Voraussetzung für den konstruktiven Fortgang eines Gespräches. Dieses Verstehen wird im privaten wie beruflichen Alltag oft dadurch erschwert, dass das Zuhören durch einen Filter von Widerstand erfolgt. Wir sind durchdrungen von Vorurteilen und Symbolen – religiösen, wissenschaftlichen, geistigen, psychologischen – ,von Wahrnehmungs-Selektionen (die von uns geschaffene, die symbolisch festgemachte, die wirkliche Welt) und von unseren alltäglichen und besonderen Nöten, Sorgen, Wünschen, Vorstellungen und Ängsten. So hängen wir lieber an unseren Worten, als dem anderen zuzuhören.

Die Hermeneutik und die Meta Linguistik bemühen sich in abstrakter Form, diesen „Knoten“ zu entwirren. Die Hermeneutik ist die Wissenschaft, die sich mit dem Phänomen Verstehen auseinandersetzt. Sie soll dort helfen, wo man sich nicht mehr ganz selbstverständlich versteht: Beim Miteinanderreden und Miteinanderverhalten. Diese reine Verstandeslehre kann zwar hilfreich sein, aber nur beschränkt für das wirkliche Verstehen, denn selbst das beste Kochbuch ist kein Ersatz für ein noch so schlechtes Essen. Selbst die treffendste und genaueste Beschreibung ist kein Ersatz für das eigene Erleben.

Erleben setzt rege Anteilnahme voraus. Zuhören ist Anteilnahme.

Im Gespräch sichert dieses Erleben aktiv geduldiges und analytisches Zuhören.

Zuhören macht Verstehen möglich.

Verstehen meint eine ganz spezifische Begegnungs- und Erfahrungsform mit spezifischen Gegebenheiten, z.B. sprachliches, textliches, bildhaftes, mathematisches, musikalisches Verstehen. Voraussetzung für richtiges Verstehen ist nicht nur, die betreffende Symbolwelt hinreichend genug zu kennen, sondern vor allem wirkliches Sehen, Erkennen und Begreifen.

Wie also komme ich dazu, aktiv geduldig und analytisch zuzuhören?

Hilfreich sind die Tugenden Geduld und Gelassenheit. Beide besitzen wir von Geburt an nicht. Beide müssen erlebt, erfahren und erlernt werden. Beide setzen schon ein Stück Bildung der Persönlichkeit voraus.