Wenn ich mir so unsere „Debatten-Kultur“ ansehe, ganz gleich ob privat, betrieblich, öffentlich, dann schaudert es mich, denn es gibt kaum Fragen, kaum Antworten, kaum Erkenntnisse, lediglich Behauptungen, und diese weder beweisbar oder nachvollziehbar. Was soll das ganze Gerede dann?

Dabei haben wir immer eine Wahl – egal welchen Weg wir gehen! Fragen führen auf den Lernweg! Behauptungen auf den Kritikweg! Entscheiden Sie: Sind das Behauptungen oder auch schon Fragen? Egal welchen Weg Sie gehen wollen, Sie haben immer eine Wahl.

Entscheidungen sicher zu machen, ist der Traum fast aller Menschen. Doch, gibt es sichere Entscheidungen? Klar ist, ohne Entscheidungen gibt es kein Leben. Ganz gleich ob gezwungen oder notwendig oder wohl überlegt oder planend vorausschauend. Manches ist vermeintlich sicher, das meiste unsicher – in allen Lebensbereichen. Wenn wir könnten, wie wir wollten, dann würden wir lieber nicht – oder doch oder wie und warum oder könnte da nicht doch? Die Natur hat sich da etwas ganz Besonderes ausgedacht. Lebenswichtiges ist unserer Entscheidung enthoben, zum Beispiel beim Atmen. Versuchen Sie einmal Ihr Atmen willkürlich zu unterbrechen.

Entscheidungen sind realisierte Antworten auf Fragen. Sie sind immer endgültig. In hierarchischen geführten Systemen zum Beispiel geht es nicht nur um willentliche Entscheidungen als Antworten auf Probleme, sondern mehr darum, die Antworten für andere verständlich (im Sinne von nachvollziehbar und annehmbar) zu machen. Und nicht nur das, es gilt kritischen Fragen und emotionalen Widerständen standzuhalten. Rationale Widerstände und sachbezogene Kritik zu integrieren, statt klein zu reden oder machthierarchisch durchzusetzen.

Konsens, Überzeugung, Glaubwürdigkeit und Vertrauen sind wesentlich. Überredung ist würdelos und damit unbrauchbar.

Der beste Weg zur Lösung jedweder Herausforderung, also für Entscheidungen, besteht darin, zunächst bessere Fragen zu stellen. Das wird aber nicht explizit gelehrt. Wenn überhaupt, dann innerhalb von Kreativitätstechniken als Problemlösung durch die Kunst des Fragens.

Kluge Fragen stellen zu können ist also ein substantielles kommunikatives Können bei allen menschlichen Begegnungen.

Wohin man auch blickt, überall begegnen uns die Errungenschaften durch Antworten auf Probleme. Entscheidungen eben. Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz und müssen sich hinterher als Schmarotzer beschimpfen lassen. Politiker wie Manager bereichern sich an denen für die sie eigentlichen tätig sein sollen. Sind das nicht genügend Ergebnisse überzeugender „Antwortstärke“, „Entscheidungsstärke“? Ja, und viele freuen sich sogar darüber und handeln entsprechend. Wie es z.B. so genannte Umfragewerte bestimmter Politiker belegen. Erscheint uns deshalb vielen Menschen ein Söder besser als ein Laschet?

Als unvoreingenommener Beobachter dieses gegenwärtigen Zeitgeschehens lasse ich mich jedoch vom Trugbild solcher Aktivitäten nicht täuschen. Weiß ich doch, dass überaktives, auf Antworten beruhendes Handeln aufgrund von „Entscheidungsstärke“ oder so genannter „Ellenbogenfreiheit“ eine Neurose kennzeichnen kann.

Wenn „Antwort- und/oder Entscheidungsstärke“ richtig ist, dann brauchen wir ja auch nicht mehr zu entscheiden, dann können wir uns ja der Willkürlichkeit des Falls eines Würfels, des Drehen eines Glücksrades bedienen. Wunderbar: Keine eigenen Entscheidungen, keine Verantwortung. Es geht nicht darum sich dem gegenwärtigen Hype anzuschließen, dass in der auf ständige Veränderung angelegten Gesellschaften Problemlösungen durch das Suchen nach den (möglichst) richtigen Antworten das Beste aller Möglichkeiten ist und in Krisenzeiten reicht es dann auch das Querdenker, Außenseiter, Nonkonformisten, Exzentriker … eine wünschenswerte Bereicherung der eintönigen und eingefahrenen Alltagsroutine wären.

Nein, es geht lediglich darum mit Unglauben auf das zu reagieren, was viele zu glauben scheinen und sich durchaus kritisch gegenüber Handlungsmaximen zu verhalten, die nach allgemeiner Auffassung die angebliche Ordnung begründen und nicht unbedingt die stillen Annahmen der plausibel und seriös daherkommenden Urteile zu akzeptieren. Wachsam sein!

Richtige (bessere, kluge) Fragen ergeben richtige (bessere, kluge) Antworten. Niemals den Glauben an seine Fragen verlieren.

Wie kann man überhaupt die besten Antworten bekommen, ohne zunächst die besten Fragen zu stellen?

Different Question! Question Thinking! Ganz gleich welche Bezeichnung wir wählen, beide sind wesentlich. Ich stelle mir darunter ein System des Denkens vor, das Fragen nutzt, um den Handlungsspielraum bei nahezu jeder Situation zu erweitern. Einen Handlungsspielraum zur Verfeinerung der eigenen Fragen, damit bei allem, was man tut, bessere Ergebnisse erzielt werden. Und nicht nur das, denn es entsteht ein „System“ das das Denken und Handeln (Entscheidungen, Ergebnisse) mithilfe geschickter Fragen zu verändern. Fragen die wir uns selbst als auch anderen stellen. Wir wählen in jedem Moment, jeder Situation, jedem Ereignis, jedem Gespräch, jeder menschlichen Begegnung. Jede Wahl wird von Gedanken, Gefühlen, äußeren Umständen beeinflusst. Mit der Annahme all dessen, was jetzt ist, können wir unseren Weg gehen. Entweder den Weg des Fragens oder den Weg des Kritisierens. Der eine führt zum Lernen der anderen in den Sumpf.

Welchen Weg der Einzelne nun einschlägt hängt weitgehend von seinem Grundvertrauen (Urvertrauen) ab. Meist ist es ja da, denn ohne Grundvertrauen würden wir morgens nicht einmal aus dem Bett steigen. Also, schon beginnen fast ganz automatisch die sinnvollen Fragen:

„Was ist passiert?“

„Was will ich?“

„Was sind die Fakten?“

„Wovon gehe ich aus?“

„Wovon kann ich ausgehen?“

„Was kann ich lernen?“

„Was sind meine Optionen?“

„Was ist möglich?“

„Wie gehe ich am besten vor?“

„Was denken und fühlen, wollen die anderen?“

„Was denke und fühle ich?“

„Wofür bin ich verantwortlich?“

Der Raum für Fragen: Was? Wozu? Woraus? Wogegen? Womit? Woher? Wohin? Wovon? Wann? Wo? Warum? Wie? Wer? erweitert sich. Auch der Raum für weitere Gedankenspiele wie Rollen-, Kreativ-, Theaterspiele.

Wenn mein Grundvertrauen gering ist, dann neige ich mehr dazu den Kritikerpfad, den „Sumpfpfad“ zu gehen, denn kritisieren geht immer oder das Warten darauf, das andere Antworten geben, Lösungen finden, die ich dann wieder kritisieren kann. Mir fallen nur Behauptungen, Vermutungen, Verallgemeinerungen, Automatismen ein oder

„Wessen Schuld ist das?“ –

„Warum fällt mir nichts ein?“

„Warum bin ich so ein Versager?“

„Warum sind die anderen so dumm?“

„Was ist nur los mit mir“?“

„Was ist nur mit den anderen los?“

„Wozu das alles?“

Zack – und schon stehen wir knietief im Sumpf.

Kluge Fragen stellen zu können ist nur durch ständiges Üben erreichbar. Allein theoretische Denkmodelle reichen da nicht aus. Es muss auch praktiziert sein. Für den Anfang wäre es hilfreich sich ein Wahllokal bildlich vorzustellen oder es sich auch auf einem Blatt Papier zu zeichnen und dieses dann als Unterstützung zu verwenden. Wie einen „Knoten im Taschentuch“ oder ein „Merkzettel“. Mir wäre die Verwendung des Begriffes „Talisman“ lieber. Talisman der zwei Wege: „Lernpfad – Weg der Fragen oder Urteilpfad – Kritikerweg – Sumpfpfad“. So werde ich immer daran erinnert, dass ich eine Wahl habe.

Wer den Weg der Fragen geht, der stolpert nicht.