Brauchen wir Menschen einen freien Willen und wenn ja, haben wir auch einen?

Was ängstigt uns Menschen eigentlich am meisten?

Ist es die Angst vor jedwedem Verlust? Ist es die Angst davor, etwa keinen freien Willen mehr zu haben?

Spricht man über den freien Willen, dann muss man eigentlich über Ängste sprechen.

Was hat Angst mit freiem Willen zu tun?

Ist es nicht so, dass wir rund um uns und unsere Freunde, Mitarbeiter, Familienangehörigen tagtäglich mit vielen Erlebnissen und Ergebnissen die von „Willensstärke“ und „Ellenbogenfreiheit“ zeugen, konfrontiert werden. Seien wir ehrlich, nervt dass nicht manchmal: Der letzte Parkplatz ist weg. Vordrängeln in der Schlange. Wenig Rücksicht auf Kinderwagen. Drängeln in der U-Bahn. Haben wir es also, ob wir nun wollen oder nicht, eher mit „schwierigen“ Mitmenschen zu tun?

Wenn ich hier über den Wert der Willensstärke schreiben will, so könnte ich mich in den Augen mancher Zeitgenossen dem Verdacht aussetzen, ein lebensscheuer, realitätsabgelöster Mensch zu sein, denn Ellenbogenfreiheit und Willensstärke als Ausdruck von Lebensaktivität ist doch gerade in der Gegenwart unübersehbar. Wohin man auch blickt, überall begegnen uns die Errungenschaften menschlicher Willensstärke. Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz und müssen sich hinterher als Schmarotzer beschimpfen lassen. Politiker wie Manager bereichern sich an denen für die sie eigentlichen tätig sein sollen. Sind das nicht genügend Ergebnisse überzeugender „Willensstärke“?

Wozu nun hier an dieser Stelle auch noch über das all zu Selbstverständliche reflektieren?

Als unvoreingenommener Beobachter unseres gegenwärtigen Zeitgeschehens lasse ich mich jedoch vom Trugbild solcher Aktivitäten nicht sonderlich schrecken. Weiß ich doch, dass überaktives, Handeln aufgrund von „Willensstärke“ oder so genannter „Ellenbogenfreiheit“ eine Neurose kennzeichnen kann. Doch wie? Sind wir überhaupt frei in unseren Entscheidungen? Haben wir überhaupt einen freien Willen? Wenn man den Esoterikern und einigen Glaubenden bestimmter Religionen glauben darf, dann ist doch unser Schicksal vorbestimmt, also sind wir determiniert.

Und dann der Chor Vieler, die sich bei eigenen Fehlern (die ja eigentlich für jedes menschliche Leben selbstverständlich sind) immer wieder darauf herausreden wollen, da sei die Kindheit dran schuld. Klar ist, dass unser gegenwärtiges Verhalten weitgehend von dem bestimmt wird, was wir in unserer Kindheit an Prägungen erhalten haben.

Aber sind wir deshalb nicht mehr frei in unseren Entscheidungen?

Wenn das alles so richtig ist, dann brauchen wir ja auch nicht mehr zu entscheiden, dann können wir uns ja der Willkürlichkeit des Falls eines Würfels, des Drehen eines Glücksrades bedienen. Wunderbar: Keine eigenen Entscheidungen, keine Verantwortung. Warum dann mühen wir uns um unseren eigenen Willen, unsere Freiheit?

Also ist das wohl eines der geheimsten Geheimnisse in dieser Welt: Es gibt keinen freien Willen!

Da wir Menschen ja augenscheinlich leben, sind wir wohl ein Perpetuum mobile. Und wenn wir das sind, dann können wir ja auch auf das Glück setzen. Alles was geschieht, geschieht zwar durch uns, aber nicht von uns. Phantastisch!