Geht es Ihnen manchmal auch so: Heiß wird diskutiert, es geht hoch und laut her, endlich können die Meinungen fließen (besonders die eigenen) – und dann, dann sagt jemand: „Das ist wissenschaftlich erwiesen!“ Rumms! Bumms ! Ende. Aus. Schluss!

Was soll man jetzt noch sagen. Der wundervolle Fluss des Miteinandersprechens ist jäh unterbrochen. Wie ein Gerichtsurteil schwebt über uns allen: „Das ist wissenschaftlich erwiesen!“ Wer noch mutig ist, der greift die Wissenschaft an, zögernd, schwach, maulend, aber nicht so richtig. Es macht auch keinen Spaß mehr, denn niemand ist an weiteren Meinungen interessiert. Schade.

Eine beliebte Form der Zeitverschwendung sind Studien. Sie halten nicht nur die unmittelbar Beteiligten von sinnvoller Arbeit ab, sondern auch uns alle, die wir ihnen glauben. Dann werden einige Beispiele erzählt für in jahrelanger Forschungsanstrengung erarbeitete Erkenntnisse, die sich mehr oder weniger in Luft aufgelöst haben. Herrlich. Auch ich fühle mich ertappt. Der eilig und undifferenziert so mancher Aussage im Namen der Wissenschaft glaubt. Entweder weil ich sie glauben will oder weil es mir hilft, nicht selber darüber nachdenken zu müssen.

Dieser allgemein verbreitete Virus des Mangels an Differenzierungen und unsere Sucht, fast alle Phänomene dieser Welt auf einen einfachen Nenner zu bringen ist der Grund so viel Nonsens selber zu produzieren oder von anderen, produzierten Nonsens vorbehaltlos anzunehmen. Klasse, wenn es dann noch im Namen der Wissenschaft ist. Beruhigend. Die Welt ist bunt und rund, vielfältig und komplex. Vereinfachungen schlicht und ergreifend dumm.