Die menschliche Gleichung für Persönlichkeit heißt: Person + Individualität = Persönlichkeit! Das heißt wiederum nichts anderes, als „identisch mit seiner Person gelebt. „Identisch mit seiner Person gelebt heißt: Kontext sein! Daraus folgere ich, dass Persönlichkeit nichts anderes ist, als KONTEXT-SEIN im Leben, mit sich selbst, seinem und dem Leben – so wie man eben ist und nicht, wie man idealerweise gerne sein möchte oder andere wollen, dass wir sein sollen. KONTEXT heißt ja, Sinn umgebender Zusammenhang – ist also alles: das Leben, die Erde, der Kosmos, die anderen – alles. Kontext-Sein heißt auch, für das Erleben aller Ereignisse verantwortlich zu sein. Wohlgemerkt, für das Erleben, nicht für die Ereignisse. Verantwortung können wir daher auch immer nur für das übernehmen, was wir selbst tun.

Der Ort von dem aus wir alles – uns und das um uns herum – beobachten können, ist unser Körper. Er ist unsere physische Darstellung.Er ist unser engster Begleiter, wohin wir auch gehen. Er ist auch unser Haus, in dem wir leben und geborgen sind. Von Natur aus existiert unser Körper in einem Zustand des Wohlseins.

Er ist die manifestierte Intelligenz des Universums. So verfügt er über die einzigartige Fähigkeit, sich selbst durch Intention zu formen, d.h. der Mensch ist das, was er denkt.

Die Akzeptanz unseres Körpers ist stets die Voraussetzung für die Akzeptanz des SELBST und unsere Selbst-Akzeptanz ist die Voraussetzung für jegliche Akzeptanz und Toleranz. Nichts hat mehr Einfluss auf die körperliche Zufriedenheit als der Kontext, in dem wir unseren Körper halten – und zwar von Natur aus. Ist dieser natürliche Zustand durch einen uns nicht angemessenen Kontext verdeckt, so sind wir auch nicht mit unserem Körper zufrieden. Es entstehen Mindergefühle. Jedes gestörte Verhältnis zur eigenen Körperlichkeit ist ein Ausdruck von tiefem Mindergefühl. Mindergefühle lassen sich selbst, seinen Körper, seine Leistungen als weniger wert erscheinen. Doch der Körper hat nun einmal die Form, die er angenommen hat. Jetzt, gegenwärtig – so wie er im Augenblick ist, genauso. Und so wie er ist, ist er vollkommen. Ungeachtet dessen, was der eigene Verstand oder der Verstand anderer darüber denken mag. Ein Mensch mit Minder-Gefühlen gegenüber der eigenen Körperlichkeit strahlt kaum wirkliche Lebensfreude aus. Allein hierin liegen mache Ursachen für Konflikte im Alltag begründet.

Denn im Alltag lassen einseitige Nutzen-Betrachtungen und der allseits beliebte „Überlebens-Trick“ – Recht-haben – uns unseren Körper recht einseitig erscheinen. Einseitige Betrachtungsweisen nähren unsere Mindergefühle. Diese werden oft manifestiert. Unser Körper wird so weniger eine Möglichkeit des SEINS, sondern mehr eine Möglichkeit des HABENS. In der HABEN-WELT unterliegen Betrachtungen des menschlichen Körpers eben auch den Betrachtungen der HABEN-WELT. Ein auf technokratisch Machbares ausgerichtetes Nutzen-Denken, realisiert durch die Spaltung von Rationalität und Emotionalität:

„sei sachlich“ – „ein Junge weint nicht“ – „immer nur lächeln“ – „für Trauer keine Zeit, behindert eher“ – „sei vernünftig“ – „Arbeits-Spiel-Dichotomie“ – „Gefühle sind leistungsmindernd“- „nie mehr weine ich wegen …“ – „Medizin als Reparaturgedanke“ „Arbeit/Beruf= nur Leistung zählt“ – „Jeder ist seines Glückes Schmied“

Einseitige Nutzenorientierungen bringen uns keinen Segen, wie man deutlich an den in den vergangenen Jahren stetig steigenden Kosten für unser Gesundheitswesen leicht selbst nachvollziehen kann. Erst eine ganzheitliche Betrachtung, nicht etwa als Methode, sondern die Gleichbedeutung von Körper – Geist – Seele für den Menschen vermittelt das tiefe und wesentliche Persönlichkeitsverständnis. Daraus erwächst die Freude am eigenen Sein, am eigenen Tun, an den anderen Menschen.

Vernachlässigt man eines der drei Elemente:  Körper – Geist -Seele -, würdigt man die menschliche Existenz nicht in der Weise, wie es ihrem Wesen entspricht, dann führen unsere alltäglichen Handlungen und Verhaltensweisen eher zu Konflikten. Das wirkt sich dann so aus:

  •  Misshandlungen
  •  Schönheitsoperationen ohne Notwendigkeit
  •  Maskenhaftes Auftreten
  •  Selbstoffenbarungsscheu
  •  Ablehnen bestimmter menschlicher Erscheinungsformen (Schwarze, Juden, Kurden, Ausländer, Moslems, Indianer)
  •  Neid, Rassismus, Faschismus
  •  Brutale bildliche Darstellungen
  •  Hilfe-Verweigerungen (Neugier bei Unfällen)
  •  Nahrungsausnahme (zu viel Fett, zu viel Fleisch, zu viel Zucker)
  •  „Verstümmelungen“ durch Kleidung (zu eng, zu kurz, zu klein…)
  •  Prügeln, schlagen, schreien, randalieren, demonstrieren
  •  Gefühllosigkeit, Gefühle unterdrücken
  •  Ablehnung, Zuwendungsentzug

Einerseits Körperbesessenheit andererseits Körpervergessenheit.

 Körperbesessenheit:  Gesundheit, Aussehen, Funktionstüchtigkeit sind wichtig wie kaum zuvor. Sehr viel Geld und unendliche Mühen werden darauf verwandt, die eigene Fitness und das persönliche Erscheinungsbild zu optimieren und zu perfektionieren. Neue Wirtschaftszweige und Begründungs-Ideologien sind um diese Ziele herum entstanden. Die Sorge um das Physische SELBST beherrscht immer mehr Menschen, und sie verdrängt allmählich die Pflege und Ausbildung „innerer“, psychischer und geistiger Tugenden und Eigenschaften.

„Style over substance“, mehr Schein als Sein heißt gegenwärtig die Maxime: Wie jemand aussieht, wie er „wirkt“, seine Gesundheit und Leistungsfähigkeit sind in der Image-Gesellschaft beeindruckender als das, was er denkt oder gar fühlt. Fitness ist vordergründiger als Gesundheit.

Körpervergessenheit: Trotz dieser Körperzentriertheit, die inzwischen nicht mehr nur egozentriert ist, sondern mehr und mehr deutliche Züge eines narzisstisch und hypochondrischen geprägten Körperkultes aufweist, sind die Defizite an Körpergefühl und Körperwissen – und damit an Gesundheit und Wohlbefinden – unübersehbar.

Wir haben unserem Körper den Krieg erklärt. Lebensweise und Lebensbedingungen machen ihn krank. Wir beuten ihn aus, erniedrigen ihn, lassen unsere Sinne und unsere Muskeln verkümmern – oder blähen sie grotesk auf. In der Allerweltformel „Stress“ fassen wir viele der täglichen Kriegshandlungen gegen Leib und Seele zusammen – und verdrängen doch wieder schnell, wie Überforderungen und Kränkungen, wie Hektik und unterdrückte Aggression uns langsam, aber sicher zermürben

Der Körper hat heute kaum noch eine Chance, er wird manipuliert, sediert, genormt, geformt und nach dem Stand der Technik „behandelt“. Wir kennen unseren Körper und seine Kraft kaum. Wir haben nicht nur wenig Vertrauen in uns selbst, sondern auch wenig Vertrauen in die Selbstheilungsfähigkeit unseres Körpers – haben kaum Respekt vor seinen Bedürfnissen: verzichten, verschieben, verhärten. Unser Körper zwischen Natur und Technik. Eine Zerreißprobe, die unsere Lebensweise vergewaltigt und uns mit Unfällen, Stress, Krebs, Aids, Pandemien konfrontiert. Bevölkerungsexplosion auf der einen Seite. Kostenexplosion der Heilverfahren auf der anderen Seite. Ärzte, Organklempner oder Zauberdoktoren, pharmakologisches Arsenal oder körpereigene Apotheke, mehr Zärtlichkeit oder mehr Tranquilizer?

Die Antwort liegt weder in dem einen noch in dem anderen, sie liegt auch nicht in der totalen Medikamentierung oder eines noch aufwendigeren medizinischen Reparaturdienstes noch in einem obskuren Körperkult begründet, sondern einzig und allein in einem neuen Verhältnis zur Lebensweise und unserer Gesundheit.

 Was aber ist Gesundheit? Gesundheit ist mehr als „Abwesenheit von Krankheit“

Gesundsein heißt, ein wenn auch bedingtes- gelingendes Leben führen zu können, trotz erschwerender Umstände. Gesundheit ist lernbar, und sie ist lebensbegleitende Aufgabe im Bereich aller Aktivitäten des täglichen Lebens, auf allen Ebenen der Lebenswelt.

Vor diesem Hintergrund erweitere ich die Definition des Gesundheitsbegriffes, um den von Fritjof Capra (Wendezeit, Tao der Physik), dieser hat folgende Punkte:

  • Gesundheit ist von Krankheit nicht scharf zu trennen.
  • Gesundheit ist Gleichgewicht der physischen, psychischen und spirituellen Natur des Menschen.
  • Gesundheit ist Harmonie des Menschen mit seiner Umwelt.
  • Gesundheit äußert sich in bestimmter Funktionsweise, die in vielfältiger Art umschrieben werden kann.
  • Gesundheit hat mit eigener Verantwortung zu tun.
  • Gesundheit ist eine subjektive Erfahrung
  • Gesundheitsverständnis ist kulturell geprägt
  • Gesundheit ist Ausdruck der Flexibilität des lebendigen Systems „Mensch“. Der Mensch ist ein Regelkreis.

Demnach orientiert sich Gesundheit am Erleben des Menschen. Es ist nichts, was naturwissenschaftlich messbar oder abstrakt erklärbar wäre. Gesundsein ist ein Befinden, eine Befindlichkeit und eine Gestimmtheit, die unabhängig von den äußeren Symptomen ist. Leben heißt am Wachstumsprozess des Lebens teilzunehmen. Wachstum unterliegt dem Gesetz der Dynamik: Stirb – Werde. Gesundes Leben heißt also Bewegung im dynamischen Gleichgewicht von Auf und Ab. Es sind auch folglich immer beide Seiten zu betrachten. Gesundheit wie Krankheit sind keine statischen Zustände, sondern sie werden immer in dynamischen Lebens-, Gestaltungs- und Anpassungsprozessen erlebt. Gesundheit umfasst also immer den Lebens- und Umweltbezug des Menschen (individuell wie gesellschaftlich).

Krankheit ist immer der körperliche Ausdruck der Konflikthaftigkeit des Menschen, der nicht im Kontext mit seinem Selbst, seinem Leben und dem Leben lebt.

Leben wir unseren Körper, dann leben wir unser Leben. Leben ist Bewegung. Alles in Bewegung zu halten, im Fluss, ist eben lebenswichtig. Muskeln und Gehirn. Wichtig ist die Gleichbedeutung der geistigen, körperlichen und seelischen Beweglichkeit für uns. Das ist richtiges Leben. Es geht um den Aufstand gegen die Bewegungsarmut des Körpers, gegen Entmachtung der Sinne und der Lust, gegen die Macht der Dummheit und gegen die Ignoranz seelischer Bedürfnisse (religiöser, metaphysischer…).

Gesundheit und Wohlbefinden hängen im hohen Maße von der körperlichen Aktivität, von Bewegung ab. Erst durch die Bewegung können wir uns als Individuum entwickeln, die Entwicklung der kindlichen Intelligenz wird maßgeblich von der Möglichkeit mitbestimmt, sich körperlich ausreichend bewegen und das sensomotorische System stimulieren und differenzieren zu können. Der, kaum zu unterdrückende, Bewegungsdrang des Kindes ist nichts anderes, als das biologische Programm zur psychomotorischen und sensomotorischen Entwicklung. Also wie wir sinnlich wahrnehmen, körperlich erleben und intelligent reagieren und handeln können. Die praktizierte Abrichtung auf Stillsitzen, Leise sein, Eingesperrt sein. Verführung zur Passivität haben langfristig betrachtet vermutlich nur negative Auswirkungen.

Unser Erwachsenendasein zeigt es überdeutlich. Der bewegte Körper hilft der Physis und der Psyche. Verhindert zu frühes altern, fördert Lust und Laune, Liebe und Freude, Leistung und Wohlbefinden.

Jeder Gedanke, jede Handlung eines Menschen ist vor allem von seinen sinnlichen Erfahrungen bestimmt. Die Auseinandersetzung mit der Welt findet zunächst über die Sinnesorgane statt. Sinnlichkeit ist das Primäre. Erst aus der Sinneserfahrung kann das Hirn einen Sinn fabrizieren. In unserem Gehirn erstellen wir durch unsere Wahrnehmung das Bild von WELT. Wir formen und gestalten im Weitesten uns SELBST und das, was uns umgibt. Wir sind dadurch Gestalter, Schöpfer, Kreative. Warum also sollten wir die WELT so sehen, wie es uns andere vorgeben, erklären, aufzeigen oder wie andere es wollen, dass wir sie so sehen?

Also schärfen wir unsere Sinne – für uns selbst und das, was unserem Körper gut tut, für Lust und Genuss.

Nun weiß ich auch, dass Lust und Genuss in unserer Gesellschaft Synonyme für „Sünde“, „Luxus“, „Ausschweifung“ sind. Zwar ist das Lustprinzip in jeder Hinsicht – psychologisch, anthropologisch, soziologisch – das eigentliche Fundament unseres Verhaltens, vielleicht sogar der Gesellschaft insgesamt, aber Lust und Genuss werden gleichzeitig als Lebensäußerungen betrachtet, die es zu kontrollieren, zu unterdrücken, zumindest aber genau zu dosieren gilt. Dieses Misstrauen gegenüber dem Lustprinzip wird jedoch nicht nur moralisch begründet, sondern paradoxerweise gilt alles, was lustvoll und genussreich ist, auch als potentiell gesundheitsgefährdend und leistungsmindernd. Das aber ist Humbug, denn jeder von uns hat mindestens schon einmal in seinem Leben erlebt, dass alles, was er mit Lust und Genuss gemacht hat, er immer auch gut gemacht hat. Was schadet, ist immer nur die Einseitigkeit, das Statische und das Maßlose.

Höre auf das, was der Körper will. Höre auf die Weisheit des Körpers. Beseitige alle Strukturen im Alltag die diese Wahrnehmung erschweren, die gegen unseren Körper, unseren Geist, unsere Seele gerichtet ist.

Ich weiß, dass das schwer ist, denn wir sind immer noch Pendler zwischen zwei Extremen – dem „Triebverzicht“, der Selbstdisziplin und dem Aufschub einerseits und dem gierigen, maßlosen „kompensatorischen“ Konsum von Stimulationen und Stimulantien. Viele Menschen haben verlernt, die vielen kleinen Genüsse des Alltags wahrzunehmen und für sich zu nutzen. Sie sparen sich die Genüsse für später auf – und belohnen sich dann mit einmal Urlaub in der Karibik, mit „Saurauslassen“ in El Arenal, dem neuen Wagen oder nach der Pension oder „wenn ich erst einmal in Rente gehe“ Morgen können wir tot sein. Leben findet jetzt statt.

Wir müssen sofort und jetzt persönlich und kulturell unser natürliches Recht wieder zurückverlangen, unser Leben, unsere Arbeit durch Spaß, Genuss und Lust anzureichern. Denn Lust erzeugt Lust und verbessert unser Gefühlsleben und unsere Stimmung. Das wiederum ist gut für unsere Gesundheit, unsere Vitalität.

Noch einmal: Unser Körper ist, so wie er ist. Mit allen seinen Eigenschaften und Merkmalen, auch mit denen, die unser Verstand als weniger gut, unnütz, gar behindernd oder böse betrachtet. Denn der Körper ist – eben auch mit seinem Gegenteil. Er ist alles. Dieses ALLES-SEIN (All-eins-sein) nicht akzeptieren zu können ist die Ursache vieler Konflikte auf und durch den Körper. Konflikte auf und durch den Körper werden am deutlichsten durch das Phänomen KRANKHEIT (grundsätzlich ist ja Leben auf Wohlbefinden – nicht verwechseln mit Bequemlichkeit – ausgelegt). Wer ständig seine Konflikte verdrängt, verschiebt, verleugnet, der verliert immer mehr den Bezug zur Realität, so wohl seiner eigenen, als auch der der Gesellschaft. Um das zu verhindern, erhalten wir deutliche Signale. Diese Signale sind Störungen. Diese Störungen sind Krankheiten. Stressphänomene gepaart mit Schlaflosigkeit sind Vorboten.

Im „Stress“ begegnen wir vielen der täglichen Kriegshandlungen gegen Leib und Seele wieder. Wir nennen diese Signale „Stress“ und verdrängen damit schnell, wie Überforderungen und Kränkungen, wie Hektik und unterdrückte Aggression uns langsam, aber sicher zermürben.“ Stress heißt Ärger, Termindruck, Überanstrengung. Heißt auch: Ungelöste Dauerkonflikte, die an uns nagen. Unerledigte Aufgaben, die einem über den Kopf wachsen, Menschen, deren Verhalten uns nervt. Folgen: Wir fühlen uns zerschlagen, nervös, müde, gehetzt, verheizt und sind oft genug erschöpft, niedergeschlagen, angespannt, enttäuscht – wir sind gestresst! Und wiederum, wie so oft, wenn es um menschliches Leben geht, geht es auch hier um den Unterschied von Befinden und Befund. Zweifellos ist es richtig, wenn ein Mensch entnervt, ärgerlich, kurzatmig oder wütend sagt: Ich bin gestresst!   Völlig richtig, wenn man es dann auch so negativ empfindet. Dennoch ist es dem Befund nach falsch, denn Stress ist eben nicht nur negatives, sondern weder positiv noch negativ – eher lebensnotwendig.

Stress ist ein Lebensausdruck. Jedes Erleben löst Spannung aus. Das gilt für das Erleben aller Ereignisse. Ganz gleich ob wir sie positiv oder negativ empfinden. Stress ist an die Erlebnisfähigkeit des Menschen gebunden. Es gibt kein ereignisloses Leben, infolgedessen auch kein „stressfreies“ Leben. Stress gibt es immer in uns. Auch dann, wenn wir alles vermeiden, um zu Erlebnissen zu kommen, wenn wir versuchen Ereignissen auszuweichen oder völlig ungerührt sind. Dann ist zwar die Stressbelastung durchaus niedrig, jedoch sinkt sie nie ganz auf „Null“, es sei denn… Absolute „Stressfreiheit“ käme dem Tod gleich.

Wenn wir also leben wollen und alles um uns herum auch erleben wollen und zwar so wie es ist, und nicht immer wie wir es haben wollen oder uns vorstellen, dass es besser so sein sollte, und für dieses Erleben und die daraus resultierenden Handlungen auch verantwortlich sein wollen, dann ist es eher hilfreich, sich mit dem Stress realistisch auseinanderzusetzen, als zu versuchen ihn ständig zu bekämpfen oder den Begriff durch zu häufige und falsche Verwendung zu einem Allerwelts- und/oder Modewort verkommen zu lassen. Der erste Schritt – und nur der soll hier gemacht werden – könnte das Beschäftigen mit den Antworten auf einige wesentliche Frage sein, wie

– was ist Stress nun wirklich? (Definition)

– welche ist der Stand der Forschung?

– was sind Ereignisreize (Stressoren) und was bewirken sie?

– wie mache ich mir meine Stress-Reaktionen bewusst?

– was ist für mich Stressbewältigung?

Stress lässt sich definieren als die Art, mit der unser Körper auf alle Anforderungen des Lebens reagiert. Stress ist also eine allgemeine, stereotyp ablaufende Körperreaktion auf Belastungen aller Art. Diese Belastungen können von uns als negativ oder als positiv empfunden werden. Eustress, verursacht durch positive Ereignisse, muss demnach von Disstress, der durch unangenehme Ereignisse ausgelöst wird unterschieden werden. Ebenso auch muss auch für die Bezeichnung von Stress unterschieden werden, was denn nun die Köperfunktionen auslöst (man nennt sie Stressauslöser oder STRESSOREN) und was die körperlichen Folgen sind. Die meisten Menschen verbinden mit Stress eher etwas „Mentales“ – „Psychisches“ – in Wirklichkeit ist Stress eher ein physisches Phänomen. Stress lässt sich objektiv nachweisen, wenn man die Körperänderungen in der Physiologie und Körperchemie misst.

  • höherer Adrenalin-Ausstoß (Hormone)
  • schnellerer Herzschlag
  • der Blutdruck steigt
  • Hände und Füße werden blutleer
  • das Blut gerinnt schneller
  • verminderte Blutzufuhr zu Magen/Unterleib
  • erhöhte Blutzufuhr zu den Muskeln
  • die Atmung wird oberflächlicher und schneller
  • die Muskeln werden gespannt
  • die Sinne werden geschärft
  • verminderte Spannung in der Magen- und Darmfunktion
  • die Funktion des Immunsystems wird eingeschränkt

Aus diesem Grund definiere ich Ihnen Stress ist einen Zustand, der aus einem tatsächlichen oder eingebildeten Ungleichgewicht zwischen einer Anforderung und der Fähigkeit, diese Anforderung zu bewältigen, entsteht, ein Ungleichgewicht also in dem Bemühen des Organismus, sich der Umwelt anzupassen. Dieser Zustand manifestiert sich in einer unspezifischen Körperreaktion (Wesentliche „Stressforscher“ sind Caplan, Selye, Appley. Lazarus)

Was soll`s: Machen wir das Beste aus unserem Stress!

  • Erkennen Sie Ihre Stressoren: Finden Sie heraus, was Sie am meisten stresst. Ermitteln Sie Ihre Stressoren und setzen Sie sich damit auseinander. Machen Sie sich einen Plan, der ihnen hilft, sie anzunehmen. Diese Akzeptanz hilft ihnen, Wandel einzuleiten, damit die negativen Wirkungen gemindert oder gar beseitigt werden oder mit ihnen leben können.
  • Erkennen Sie Ihre Stress-Signale: Stress-Signale sind Warnzeichen Ihres Körpers. Sie bedeuten: Achtung, es stimmt was nicht! Welche Stress-Signale erleben Sie? Gewöhnen Sie sich daran, sie zu    beachten, damit Sie etwas merken. Es geht darum, die Ursachen der Stress-Signale zu kurieren und/oder zu eliminieren – nicht das Symptom.
  • Lernen Sie zwei wirkungsvolle ad-hoc-Methoden: Wenn Ihr Stress zum Gesundheitsproblem zu werden droht, dann sendet Ihr Körper mindesten 2 Signale: – Ihre Atmung wird schneller – Ihre Muskeln werden angespannt. Sie können lernen, diese Reaktionen zu beseitigen  (bitte nur gelegentlich einsetzen, nicht dauernd) 1. Kontrollieren Sie die Atmung. Machen Sie eine Atemübung, um Ihre Atmung in den Normalrhythmu zurückzubringen. Ruhig, tief und langsam atmen. Bei ruhiger Atmung ist es unmöglich, ein hohes Stress-Niveau aufrechtzuerhalten. 2. Entspannen Sie die Muskel  Wählen Sie eine Methode, die Ihnen liegt. Am besten geeignet scheinen Entspannungsübungen und Laufen zu sein. (geht zwar nicht immer, aber immer als geistige Vorstellung: bunte blühende Wiese…)
  • Benutzen Sie Methoden der Stressbewältigung: führen Sie gute Schlafgewohnheiten ein, machen Sie zwischen den Aktivitäten, kleine Pausen, treiben Sie regelmäßig Sport (nicht nur Fitness), sorgen Sie für eine richtige Ernährung, organisieren Sie Ihren Alltag, strukturieren Sie Ihre Arbeit

Wenn nicht, auch gut, dann werden die Signale unseres Körpers stärker. Dauern Stresssignale länger an, häufen sie sich, dann gibt es die ersten Signale (Schmerzen, kleine Übel), werden diese nicht beachtet, sondern eher betäubt oder verdrängt, dann gibt es Krisen. Werden Krisen nicht beachtet und gelöst, dann werden die Signale stärker, denn der Sinn des Lebens ist ja zu leben, der Mensch erkrankt. Krankheit ist immer der körperliche Ausdruck der Konflikthaftigkeit des Menschen, der nicht im Kontext mit sich selbst, seinem Leben und dem Leben lebt. Insofern ist Krankheit immer auch eine Chance. Krankheit an sich ist weder etwas Schlechtes, Gemeines, Böses noch etwas Unrechtes. Ich definiere Krankheit als eine vorübergehende Störung des körperlichen Wohlbefindens, die vom Verstand in Zusammenarbeit mit äußeren Kräften erzeugt wird. Ursache sind wir jedoch immer selbst. Der Verstand setzt Unwohlsein und Krankheit geschickt ein, um andere zu beherrschen und zu manipulieren. Die Krankheit zwingt den Menschen zum Innehalten, will bewusst machen, legt – im wahrsten Sinne des Wortes – den Menschen nieder. Jetzt hat er die Zeit zum Nachdenken. Dieses wunderbare lebenserhaltende Phänomen nenne ich das K – K – K – Phänomen des Lebens (Konflikte-Krisen-Krankheiten). Krankheit nimmt den Verstand zurück. In ihr beginnt oft die SELBST-Reflexion. Es ist eine Form der Reife, weil der Mensch die Krankheit als sinngebend für sich selbst und sich selbst als Verursacher der Krankheit sieht. Er ist verantwortlich. Er kann die Krankheit akzeptieren und damit auch sein Leben. Die Kraft der Akzeptanz wird wirksam.

Wohlverstanden, es geht lediglich um die Akzeptanz, nicht etwa um Selbst-Aufgabe mit hysterischer Tendenz, wie z.B. „Heil wird der Mensch nur durch Krankheit“ oder „Leid als Sinn des Lebens“ oder „Lebens-Masochismus“ – sondern eher in dem Sinne: „Wer seine Krankheit beiseiteschiebt, der schiebt auch einen Teil seines SELBST beiseite“.

Alle Krankheiten sind „psychosomatisch“, denn erstens werden sie somatisch (körperlich) ausgedrückt und zweitens sind – ob wie es nun wollen oder nicht – auch immer Seele (Psyche) und Geist beteiligt. Die Natur kennt eben den Menschen nur als Ganzes. So gibt die Krankheit dem Patienten exakt Auskunft darüber, wie er künftig (wenn er geheilt ist) sein Leben einrichten soll oder darüber, was er bisher nicht akzeptiert oder vom Verstand anders besetzt hat oder wie er seinen Körper zum Recht-haben eingesetzt hat, z.B. durch die jeweiligen Erkrankungen im Kopfbereich, – des Kreislaufes, – des Herzens, – der Atemwege,- des Magen- und Darmtraktes, – der Haut (Schwitzen, Ausschlag, Flechten …) – oder gar Krebs, Aids, Corona. Krankheit ist eine Krise der Persönlichkeit, die sich signalgebend für das SELBST äußert, unabhängig ob es sich um eine Infektion, einen Bruch, einen Schnitt, Kopfweh, Übelkeit, Magenschmerzen, Herz-Infarkt … handelt.

Wesentlich ist nur die Krankheit anzunehmen. Grundsätzlich.

Das ist schwer, denn normalerweise befindet sich der Körper von Natur aus im Zustand des Wohlseins. Ändert sich dieses Wohlgefühl, dann entsteht Schmerz und Leid. Schmerz und Leid werden von jedem anders wahrgenommen. Unabhängig davon, ist die Krankheit und der damit verbundene Schmerz und das Leid anzunehmen. Akzeptanz des Lebens. Das aber können die wenigsten Menschen. Viele haben Angst vor Schmerz. Angst davor, von anderen abhängig zu sein. Angst, dass möglicherweise eine Bequemlichkeit entfallen könnte. Sie können daher nicht akzeptieren. Sie nehmen das Leid, den Schmerz, die Krankheit nicht an – und damit sich selbst auch nicht. So miserabel es mir auch geht, ich bejahe trotzdem mein Leben, mein Dasein bejahen – nicht dahinleben. Das genau ist der Unterschied. Bejahen, also die SELBST- Bejahung, hier ausgedrückt durch die Leidensfähigkeit, ist ja ein Ausdruck unserer Vertrauensfähigkeit.

Vertrauen ist Gefühl, das Gefühl der Persönlichkeit: Ja – ich bin da, ich nehme mich an, mein Leben und das Leben, ich akzeptiere, vertraue mir selbst. Krankheit ist nichts Unrechtes. Unser Körper gehört uns. Wir können damit machen, was wir wollen und es gibt Konsequenzen. Ich bin die Ursache meiner Krankheit, also kann ich auch die Krankheit beenden – wenn ich es will. Bewohnen Sie Ihren Körper. Seien Sie das, was Sie sind. Seien Sie nicht ihr Körper. Bewohnen Sie ihn. Akzeptieren Sie ihn. Einen bewohnten Körper kann keine Krankheit betreten (bewohnt = akzeptiert, angenommen, geliebt). Seien Sie also immer hier in Ihrem Körper. Seien Sie sich dessen immer bewusst. Bewohnen Sie ihn, etwas Heiligeres können Sie nicht tun. Seien Sie da, jedoch wollen Sie nicht Ihr DASEIN haben. Wenn nicht, auch gut – und es gibt Konsequenzen: Krankheit. Akzeptanz der Krankheit ist Hilfe, jedoch nicht, von der Krankheit ablenken.

Es ist wirklich alles so einfach!

Der Körper – Ihr Körper – ist so wunderbar, dass er all unsere Vorstellungen über ihn übersteigt. Er ist ein Geschenk, das Sie sich selbst gaben, um zu genießen, sich wohlzufühlen – kurzum, um zu sein. Nur so, und nur so ist Ihr Körper nicht mehr Ursache von Konflikten. Was tun?

Der erste Schritt:        Realistischer Egoismus – Ich bin, was ich bin.

Der zweite Schritt:     Akzeptanz

Der dritte Schritt:       Leben im KONTEXT des SELBST, seinem Leben und dem Leben

Wenn nicht? – Da sind sie schon wieder, die Konflikte! Und wie sich diese auf unsere Arbeit auswirken erfahren Sie im 3.Teil (in 10 Tagen – vielleicht?).