Es wird wieder einmal Zeit für Gedanken zum fairen Umgang mit Menschen und Worten. Es gibt einfach zu viel Hass und Hetze im Internet und auch im Alltag. In der Tat: Denken in Bewegung setzen!? Fairer Umgang mit Menschen und Worten !? – Längst nicht mehr selbstverständlich! Denken und Sprechen als Ausdruck von Lebensqualität ist in der Gegenwart kaum noch vorhanden? Und doch: Wird nicht schon zu viel gedacht, zu viel gesprochen, ja versprochen? Ja so ist es! Wozu nun – hier und jetzt – auch noch darüber reflektieren?

Da es mir bei meiner Arbeit – für gewöhnlich führe ich persönlichkeitsbildende Dialektik Seminare durch – immer um das Wesentliche, das Konkrete geht, so geht es mir bei den Beobachtungen der Gegenwart eben auch um das Konkrete. Und dieses Konkrete stellt sich nach meinen Beobachtungen in Wirklichkeit eher so dar:

Der Mensch der Gegenwart ist besonders gefährdet, seine Kommunikationsfähigkeit manipulierend einzusetzen (im Großen wie im Kleinen, Privat wie im Beruf, National wie International), weil ihm nützlicher als sein Wesen sein Ansehen im Glanze brillanter Bilanzen, höchster Leistungen und strahlender Bestätigung in Medien erscheint. Wird doch einzel-egoistisches Verhalten, einseitige Nutzenorientiertheit und Funktionalität eher belohnt als soziales Verhalten. Das Bedürfnis nach Perfektion und Dominanz wird unerschöpflich. Meist drückt sich das durch Wort-Gewalt aus. Dieses bedeutet jedoch Krieg hineintragen in den Betrieb, die Familie, die Gesellschaft. Das kann weder betrieblich noch gesellschaftlich gewollt sein.

Im privaten wie betrieblichen (und wohl ganz besonders im betrieblichen) Alltag kommt es weniger darauf an, Wort-Gewalt gegen andere zu verwenden oder phantastische Reden zu halten oder exzellent zu sprechen, als mehr auf das Miteinander von Menschen, die gemeinsam leben und arbeiten wollen. Jeder unnatürliche, unwissenschaftliche Sprachgebrauch der Menschen führt  dazu, dass sie mehr und mehr von der Wirklichkeit isoliert sind. Missbräuchlichen Beeinflussungen durch Vereinfachungen, Zeitraffer und Stereotypen sind so Tür und Tor geöffnet. Es kommt also nicht darauf an, dass die bessere Rhetorik, geschliffenere Dialektik „siegt“, sondern es kommt allein auf die bessere Sache, das bessere, verständliche Argument an, denn das macht dauerhaft Entwicklung und Fortschritt von Systemen (Familie, Betriebe, Institutionen, Nationen) im menschlichen Sinne möglich.

Genau darin liegt der Sinn der Dialektik begründet.

Der Zweck ist das Denken in Bewegung zu bringen.

Der Nutzen ist der gemeinsame Erkenntnis-Zuwachs.

Dialektik ist nicht Show, nicht Theater, nicht Verstellung, sondern zähes Bemühen um den anderen, die Wahrheit, die Sache, das Problem. Jeder Mensch, wenn nicht neurotisch bedingt isoliert, verbringt den größten Teil seiner Zeit in Gruppen. Um sich darin ohne Dominanz und ohne nicht-notwendige Anpassung behaupten zu können, muss man selbst wissen, wer man ist, was man kann und was man aufgrund dessen erfüllen und leisten kann. Das jedoch keineswegs einseitig festgeschrieben (Diplome, akademische Grade, Zeugnisse, Hierarchien, Rollen …), sondern immer wieder neu als Orientierung in sich selbst, so dass man nie die Angst haben muss, sich verlieren zu können.

Das wichtigste Ziel der Dialektik (Allgemeine Semantik = Allgemeine Dialektik) ist die Steigerung persönlicher Gesundheit und Zufriedenheit im Leben. Das gelingt dadurch, dass wir durch ihren realen Gebrauch lernen, uns wirkungsvoller auszudrücken, unsere Denkvorgänge in Ordnung zu bringen und verlässliche Normen für Urteile, Bewertungen und Entscheidungen zu entwickeln. Sie ermöglicht dem Menschen, ohne sich zu verbiegen, immer und zu jeder Zeit den fairen Umgang mit Menschen und Worten.