Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat einmal gesagt: „Ein Buch darf alles, nur nicht langweilen! Das habe ich mir beim Lesen von Büchern, ganz gleich welcher Art, zu Herzen genommen und inzwischen auch für meine Gespräche, ganz gleich mit wem auch immer. Sprechen ist kein Wiederholen von Erlerntem, sondern immer ein neues Arrangement von Kenntnissen. Sprechen ist ein kreativer Prozess. Sprechen ist Bewegung. Ein Gespräch muss Bewegung ins Spiel bringen. Wie soll das mit Langweile gelingen? Vielleicht mit Erzählkunst?

Immerhin ist das Erzählen in vielen Kulturen tief verwurzelt. Bei uns in Deutschland eher nicht. Dennoch, es ist die einfachste Möglichkeit des künstlerischen Ausdrucks von Unterhaltung. Geht es in einem Gespräch nicht genau darum – um Unterhaltung?

In jedem menschlichen Gespräch geht es immer um Denken-Suchen-Fragen-Unterhalten. Langweile kann sein. Erlebnis wäre aber im Sinne von Bewegung und Fortschritt besser. So ist das Gespräch eben die Möglichkeit des Ausdruckes der individuellen Persönlichkeit und weniger ein massentauglicher Einheitsbrei.

Wenn ich nun aber kein guter Erzähler bin oder das Erzählen nicht erlernen will? Nun, dann gibt es immer noch die Möglichkeit des Fragens. Fragen statt Behaupten. Der Behauptende im Gespräch ist eher ein sich selbst fressender Einhand-Segler. Was ihn schützt ist, dass er das nicht wahrnimmt oder es verleugnet, auf jeden Fall die meisten Gesprächsteilnehmer unendlich langweilt. Fragen öffnen und führen das Gespräch zu einem Erlebnis. Fragen unterbrechen die ewige Monotonie der Selbstdarstellung im privaten wie betrieblichen, kulturellen wie wissenschaftlichen Alltag. Fragen stellen die Qualität der Beziehung der Gesprächspartner dar.

Wunderbar!

Fragen stellen zu können kann man erlernen. Zunächst relativ einfach: So wie Kinder es können. Später dann mit etwas mehr Übung und Eifer die besseren, klugen, differenzierten Fragen stellen zu können. „Question Thinking“ ist ein System aus Techniken, um das Denken und Handeln sowie Ergebnisse mit Hilfe geschickter Fragen zu verändern. Fragen die wir uns selbst als auch anderen stellen.

Herrlich!

Ich zitiere David Rock und Linda J. Page: „Menschen ist in der Regel nicht bewusst, welche Fragen in ihrem Inneren vorhanden sind und welch tiefgreifende Wirkung diese auf ihre Fragen sowie auf die Gestaltung und Ausrichtung ihres Lebens haben. Durch die Veränderung dieser Fragen lässt sich ein neuer Prozess in Gang setzen, der zu anderen Ergebnissen führt.“

Wir haben immer eine Wahl.