Wer oder was befreit uns aus dem Dilemma der Trivial – Rhetorik und dem Deutungslabyrinth der Umgangssprache auf Instagram, Twitter, Facebook, WhatsApp und anderen?

Früher musste man die richtigen Antworten wissen – möglichst schnell, möglichst präzise. Heute muss man die richtigen Fragen stellen können. Fragen öffnen. Antworten schließen. Freiheit im Denken und Sprechen wird durch Fragen real. Nur das lehrt uns keiner, nicht zu Hause, nicht in der Schule, nicht im Studium – und bei der Arbeit auch nicht. So sieht es dann auch aus wenn wir Nachrichten bekommen, ganz gleich ob nun betrieblich oder privat, ob wichtig oder unwichtig: Fehler über Fehler (trotz Rechtschreibkontrollprogramm)!

Verständnislosigkeit und Interpretationen blühen.

Irgendwie muss es ja weitergehen.

Sobald wir beginnen zu sprechen, meinen wir, wir könnten auch sprechen. Über unsere kindlichen, sehr kreativen Sprechvarianten lachen die Erwachsenen, mindestens finden manche es niedlich, ernst genommen wird es jedoch nicht. Ernstgenommen wird dann das nachgeäffte Erwachsensprechen. Fragen? Fragen schon gar nicht. Erst durch die „Sesamstrasse“ wurde es durch den gesungenen Text: „Wer nicht fragt bleibt dumm…“ etwas populärer – aber ernst genommen? Weit gefehlt! So verkümmert unser lebendiges, kreatives Sprechen zu einem Brei ewig gleichen Sprechens. Die von uns benutzten „Social Media“- Plattformen führen eher zur Einheitlichkeit als zur Einzigartigkeit. Einheitlichkeit führt eher zum Nachahmen und Wiederholen als zum Verständnis.

„Alles in Butter“? Ja? Kopieren reicht doch anscheinend aus? Kommunizieren kann also jeder. Auch der Einfältige. Auch der Taubstumme.

Warum also den sachgerechten Umgang mit Worten im Sinne einer menschlichen Kommunikation lehren? 

Kommunikation ist ja, wenn man trotzdem verstanden wird. Und so wendet man sich, wenn man dann mal, meist aus beruflichen Gründen, „vor Augen geführt bekommt“, dass das mit dem Sprechen doch nicht so ist, wie man glaubt, der Trivialrhetorik zu. Trivialrhetorik ist für mich die Sammelbezeichnung für die alltägliche Einheits-Kommunikation. Das alles führt aber immer tiefer in das Deutungslabyrinth, tief in das Vabanquespiel der menschlichen Kommunikation, der Verständigung. Will man wirklich menschliche Kommunikation, dann geht es um mehr: Es geht um den sinnvollen Umgang mit Menschen durch Schrift und Wort. Soll das gelingen, dann befinden wir uns im Reich des Denkens und Sprechens. Hier ist Intelligenz gefragt, nicht Intellektualität, nicht Verstand. Sprechen hat mit Denken zu tun. Denken ist Bewegung. Bewegung ist immer im Spiel. Sprechen ist also kein Wiederholen von Erlerntem, sondern immer ein neues Arrangement von Kenntnissen. Sprechen ist ein kreativer Prozess. Das ist richtig so, denn je mehr sich das persönliche Umfeld ausdehnt, um so mehr müssen wir uns verständlich machen. Müssen in der Lage sein, die eigenen Gedanken, Ideen, Pläne, Meinungen anderen verständlich zu machen, sie dafür zu begeistern. Der Alltag zeigt: Für gemeinsames menschliches Wirken ist es unumgänglich.

Sprechen und Sprache wird zum sichtbaren Ausdruck der individuellen Persönlichkeit.

Die individuelle Kraft des Geistes, die geistige Beweglichkeit, die Intelligenz wird für sich selbst und andere erkennbar. Gemeinschaftliches Leben und Arbeiten wird möglich. Die Fähigkeit eines Menschen das Richtige im richtigen Moment zu tun, das Falsche als falsch zu erkennen wird real. Dialektik hilft uns diese Fähigkeiten konstant zu halten und zu Fertigkeiten werden zu lassen. Künstlerische, kaufmännische, technische, handwerkliche, hausfrauliche, menschliche Fertigkeiten – eben alle. Sowohl die übliche Umgangssprache, die Trivialrhetorik helfen uns da wenig, weil wir mehr behaupten als Fragen zu stellen, mehr falsch schreiben, als richtig, mehr Symbole benutzen, als wirklich etwas zu sagen.

Was will ich? Verstehen und verstanden werden oder nur Labern?

Dialektik ist die Lehre der Kunst des „Dazwischen“, des Durchdringens von Phänomenen durch Erkennen und Verstehen. Das ist ein Können. Sie bezieht sich zuerst ganz konkret auf das alltägliche Leben und Arbeiten, dann um die Unterscheidung der Begriffe, um das Verstehen zu erleichtern. Dialektik ist das persönliche Können Gespräche mit allen möglichen Menschen führen zu können. Aufgabe, Zweck, Wesen und höchstes Ziel der dialektischen Gesprächsführung ist es, zu einem gemeinsamen Erkenntniszuwachs zu kommen. Das ist doch das was wir wirklich wollen. Also: Fragen, fragen, fragen (jedoch nie suggestiv oder fahrlässig), Definitionen bieten und erfragen. So klappt es mit dem Erkenntniszuwachs. Dialektische Gespräche sind kein Gegenüber von Behauptung und Meinung, sondern immer ein Spiel von Frage und Antwort (dabei alles sagen, was zum Verständnis des Inhalts benötigt wird).

Fragen Sie, wenn Sie nicht verstehen. Fragen Sie, wenn etwas problematisch oder „fragwürdig“ erscheint. Fragen Sie, jedoch ehrlich und aufrichtig aber verwenden Sie keine „Fragetechnik“ als eine Form der überlegenen, taktischen Gesprächsleitung, als „Waffe der Überlegenheit“. Konkret sollte die Frage schon sein, wenn auch nicht immer direkt. Besser als eine direkte Frage ist die Vergewisserung beim Partner durch die zusammenfassende Darstellung des bis zu diesem Zeitpunkt Verstandenen:
„Sie sagten…“,
„Sie behaupteten…“,
„Sie meinten…“,
„Sie vermuteten …“ oder
„Habe ich Sie recht verstanden, dass …“

Alle andere führt nur zum Streit. Dieser kann häufig nur sehr unfriedlich beigelegt werden, weil er oft nur Sieger und Besiegten kennt.

Richtige Frage im richtigen Moment zu stellen ist eine Frage der geistigen Kraft und Beweglichkeit und man kann es üben. Die individuelle Persönlichkeit erstrahlt – im richtigen Licht!