Coaching ist Feedback – Ohne Feedback keine Fortschritt 

„ Lieber Herr Kusch, leider kann ich Sie nicht in unserem Coaching-Pool aufnehmen.“ So schön, so gut. So etwas ist üblich. Ich zog meine linke Augenbraue hoch. Dieses nahm mein gegenüber als Zeichen für eine erklärende Aussage: „Nun, Sie sind einfach nicht zielgerichtet genug.“ Peng, Bamm, Bumm! Die Ablehnung hatte ich verstanden. So etwas ist normal. Aber die Erklärung nicht. Ganz besonders, weil ich noch nie jemanden aus diesem Unternehmen gecoacht hatte. „Danke“, erwiderte ich, „eigentlich wollte ich da auch gar nicht hinein. Sie wissen ja, ich trainiere dialektische Führung und Verhandlung.“ „Na ja“, sagte mein Gesprächspartner daraufhin „ich weiß, dass ist ja Ihr spezielles Hobby.“ Nun war ich baff. Irritiert dankte ich abermals und beendete das Gespräch.

So, so, Dialektik ist ein Hobby. War mir neu. So oder ähnlich geht es in den verschiedenen Unternehmen: Psychologen geben Kommunikationsseminare, Unternehmensberater wenden so genannte Persönlichkeitstests an, Männer wie Frauen coachen Führungskräfte, ob wohl sie selber noch nie geführt hatten, es werden Rollenspiele „gespielt“, Erfahrungen vorgetragen, durch Felder, Wälder und Wiesen gerannt, Yoga zelebriert…

Lustige Spielchen mit erwachsenen Menschen. Sie sollen was werden. Durch was? Durch Spiele?

Weiß man doch inzwischen dass Erwachsene nicht durch Anweisungen, Theorien oder Erfahrungen Anderer lernen, sondern ausschließlich durch eigene Anwendung. Das heißt: Er muss erleben was er lernen soll. Wie geht das wenn man fremde Erfahrungen, fremde Erlebnisse vermittelt bekommt? Es funktioniert doch. Massenweise gibt es Coachs und Coachees. In den vergangenen Jahren mehr und mehr. Kann den keiner mehr was allein?

Warum werde ich eine Führungskraft, wenn ich hinterher ein Coach, einen Übungsleiter benötige? Was soll er mit mir üben? Die Realität? Die ist immer anders, wenn der Coach weg ist – komisch! Oder geht es um etwas ganz anderes? Vielleicht um Illusionen? Das kann ich verstehen, denn wenn ich schon keine Phantasie habe, dann nehme ich mir eben einen Übungsleiter zum phantasieren. OK – das ist gut, kann man gebrauchen. Besonders dann wenn man noch kleinere Kinder hat, dann kann man ihnen wenigsten Geschichten erzählen.

Nichts gegen Begegnungen mit Menschen. Sie können viel bewirken. Manchmal gehe mit jemandem einfach nur spazieren – und hernach geschieht so viel Wesentliches. Manchmal tut man nichts und es wird etwas Großes daraus. Manchmal werden durch menschliche Begegnungen Gedanken frei, eigene, längst vergessene. Manchmal gibt es Lösungen – durch sich selbst.

Erwachsene sind auf alles vorbereitet – meinen sie. Doch die meisten Lösungen für betriebliche Probleme sind Gewissensfragen. Diese Gewissensfragen sind oft sehr heikel und schwer zu entscheiden. Darauf sind die meisten nicht vorbereitet. Schwerwiegender – sie sind meistens allein. Coolness, Cleverness ist gefragt. Wir haben alles im Griff.

Weit gefehlt. Eher werden sie von ihren Leidenschaften, Gefühlen, Machtbedürfnissen, Zweifeln, von Mitarbeitern, Bedingungen, Beratern und anderen Lobbyisten getrieben. Wenn dabei etwas nicht dem Willen, der Absicht oder der Vernunft entsprach, fehlt es nicht an Behauptungen, Erklärungen, um nachzuweisen, dass man vollkommen im Recht ist. Andere möchten wohl gern überlegen, nachdenken, aber es fehlt Ihnen die Zeit dazu, manchmal auch ein Partner, der absichtslos zuhört, Impulse gibt, mit ihm in ein Gespräch eintritt, um die schwierigen Entschlüsse zu erwägen, Probleme zu klären, Spinnereien zu zulassen, um alles was zur Lösung ansteht, mit Intelligenz zu meistern. Es gibt einfach zu viele Lücken und Unbekannte für eine rein logische Entscheidungsfindung.

Aber es gibt eine andere Art von Wissen, die nirgendwo gelehrt wird, die aber nötig ist für den wirklichen Erfolg. Dieses ganz natürliche Gespür, die Intuition, ist nur deswegen mysteriös, weil es schwer in Worte zu fassen ist.

Intuitives kommt nicht Schritt für Schritt, sondern schlagartig.

Erst einmal müssen wir jedoch unsere lebenslangen Gewohnheiten überwinden, nur die Gedanken anzuerkennen, die sich in Worten ausdrücken lassen. Losgelöst von den Bedingungen und Begrenzungen des betrieblichen wie privaten Alltags, in einer vertrauensvollen Atmosphäre so mit einander zu sprechen, dass alle Ihre eigenen Gedanken – längst vergessene wie hoch aktuelle und auch ganz „neue“ – wieder ins Bewusstsein kommen und nach Außen wirksam werden.

Bewegung wird ins Spiel gebracht: „l’idée vient en parlant“ – Dafür ist Coaching sinnvoll.