Manchmal macht es Spaß in den seichten Tümpeln und Pfützen der Psychologie zu waten. Besonders wenn es um das Menschliche geht: Warum sind wir so wie wir sind? Warum lernt der eine mehr, schneller, leichter, als der andere? Warum ist der Komische komisch? Warum ist der Glückliche glücklich?

Es ist so wunderschön sich im Halbwissen zu suhlen. Immerhin macht es manchmal die eigene Meinung nicht unbedingt schlechter. Aber manchmal, ja manchmal muss man eben auch ein bisschen mehr oder genauer wissen oder manchmal muss es auch stimmen. Wann immer wir Menschen uns wirklich besser verstehen sind die Folgerungen positiv. Das ist jedoch gar nicht so einfach, denn während wir es als selbstverständlich empfinden, selbst für einen simplen Gameboy oder einen Laptop eine sehr dicke Bedienungsanleitung zu bekommen, finden wir nicht absonderlich, dass es für uns Menschen keine Anleitung gibt, nicht einmal eine dünne.  Also, wenn das so ist, dann also ran an das Menschenverstehen, aber bitte nicht simpel oder vermutend oder mit dem so genannten gesunden Menschenverstand, sondern eher ein wenig solide, verstehbar und vor allem Zutreffend. Schließlich geht es ja um Menschenverstehen, um das adäquate Menschenbild.

Und Menschenbilder gibt es viele. Solange es Menschen auf dieser Erde gibt, gibt es auch Vorstellungen von dem Menschen. Menschenbilder eben. Vermutlich in bestimmten Kategorien, wie z.B. geschichtliche, religiöse, philosophische, psychologische, soziale, biologische, kybernetische, kommunikative … .

Was ist denn nun ein gebildeter Mensch?

Wie sieht er aus?

Wie muss man sich den vorstellen?

Ich habe da keine Ahnung. Zu meinen Schulzeiten (Volksschule – höhere Schule) galt man schon als gebildet, wenn man das Gymnasium besuchte. Aber auch dort hörte ich oft: „Du bist ungebildet!“ Was nun? In der Tat empfand ich mich selbst, so viel ich auch lernte, immer noch als wenig gebildet. Menschen um mich herum hatten die eine oder andere Eigenschaft, die ich als die bessere empfand, wussten mehr, waren an Orten, deren Namen ich noch nicht einmal aussprechen konnte, aßen Speisen mit Bestecken, die ich zuvor noch nie gesehen hatte, geschweige denn mit Ihnen gegessen, sie bewegten sich mit einer Lässigkeit in Bibliotheken, in Tanzsälen, sprachen über dies und das… Also interpretierte ich für mich: Ein Gebildeter ist ein Wissender. Je mehr Wissen, desto mehr gebildet.

Doch die Wirklichkeit zeigte mir ein ums andere Mal, dass das auch nicht stimmen konnte, denn der eben noch brillierende Wissenschaftlicher auf einem Symposion war nur wenige Minuten später völlig hilflos, als er seinen streikenden Wagen nicht mehr in Gang bringen konnte. Und in den Kneipen hörte ich oft die geringschätzigen Worte über die Theoretiker. Wer war das? Waren es Menschen von einem anderen Stern? Ich selbst hielt mich hinsichtlich bestimmter handwerklicher Tätigkeiten für eher ungebildet, gar dumm. Aber ich ging doch auf die höhere Schule, hatte Abitur, bekam ganz andere Lehrstellen, Studienplätze?

Alle diese Kriterien sagten also nichts über Bildung und Gebildete aus. Die nächsten Jahre vermied ich das Thema öffentlich. In meinen Gedanken waren Bildung und Wissen weiterhin synonym. Zeitlebens war ich in diesem Sinne ein Ungebildeter. Egal was ich unternahm, wie viel ich auch lernte, was auch immer ich glaubte, erforschte, praktizierte. Immer fehlte mir irgendein Wissen, irgendeine Handhabung. Ich gab auf.

Bildung ist für mich etwas Unendliches. Bildung beginnt in dem Moment, in dem wir begreifen, dass wir nichts wissen und wenig können und dass es notwendig ist, uns jeden Tag aufs Neue den Aufgaben des Lebens zu stellen: Manchmal autodidaktisch, manchmal mit Hilfe anderer, manchmal kopierend, manchmal probierend, manchmal kreativ, manchmal nachahmend – aber immer lustvoll. Und das, was auch immer wir tun, uns ein wenig dem Gebildetsein näher bringt.

Der wirklich Gebildete ist also derjenige Mensch, Mann wie Frau, Kind wie Erwachsener, der weiß, dass er nichts weiß, jedoch unermüdlich, liebevoll, mit ganzer Kraft, mit ganzem Herzen, lebt. Und da gibt es etwas Erfrischendes, Zwingendes, unwiderstehlich Schlüssiges, Treffsicheres, Herausforderndes und Spitzes, nämlich PERSÖNLICHKEITSBILDUNG.

Und was das genau ist, später ein wenig mehr – oder aber auch bei allen bisherigen Beiträgen in diesem BLOG.