Im Tun und Lassen begreift sich die menschliche Persönlichkeit. Sie wird für andere begreifbar.

Der Mensch wird körperlich wie geistig präsent. Sein Tun oder Lassen ist untrennbar verbunden mit seinem Denken, Fühlen, Handeln, seiner Intuition, seiner Seele.

Aus den unterschiedlichsten Gründen wollen andere unser Verhalten beeinflussen. Manchmal zu unserem Besten, manchmal zu ihrem eigenen Nutzen. Egal – immer werden Entscheidungen von fremden Überlegungen beeinflusst. Dabei sind Bedürfnisse und Wünsche von Macht, Geltung, Neid, Rivalität im Spiel. Wie oft wurden oder werden aus diesen Gründen wichtige Entscheidungen nicht getroffen? Und auch das gibt es: Viele Menschen machen fast alles, was sie machen, mittelmäßig. Sie empfinden es als äußerst unangenehm, die volle Verantwortung für das eigene Dasein, die eigenen Handlungen, ja gar das eigenen Denken und überhaupt alles, was wir darin erfahren, zu übernehmen. Ständig suchen wir nach Möglichkeiten, Schuld nach außen zu projizieren. Jeder ist Täter und Opfer in einer Person.

Der vermeintliche Ausweg: Leimen und Linken sind In. Die flotte Unmoral ist modisch. Immer lockerer sind wir unehrlich und unanständig. Was uns gerade noch zurückhält, ist vielleicht die Angst vor Schimpf und Schande. So lange wir nicht entdeckt werden, unbelastet von Skrupel und Gewissen, von Bedenken und Ehrgefühl, wagen wir uns immer weiter vor. Hat da nicht jeder so seine eigenen Waffen, seinen eigenen Tricks? Sie reichen von körperlicher Kraft über Schwäche, Gebrechlichkeit, Erpressungsversuche, Schauspielerei, Krankheit bis hin zur Selbstmordandrohung. List und Tücke, die clevere Übertretung von Gesetzen, Geboten, Abmachungen und Versprechungen sind doch nur etwas für Unterdrückte, für Unfreie.

All das verhindert jeglichen freien Antrieb und erzeugt Angst. Diese Angst löst eine Vielzahl von körperlichen Symptomen aus und schränkt das Denken und das eigene ICH ein. Das soll jedoch keiner merken. Unehrlichkeit kommt ins Spiel, Kaschierungen, Fassaden- und Imponier- Techniken; einseitiges Verhalten rückt in den Vordergrund. Angst vor der Ehrlichkeit ist die Macht der Dummheit! Will man sich davon befreien, so sind wieder „Berater“ – „Gurus“ –  und ähnliche „gute Freunde“ gefragt. Das jedoch misslingt, denn gerade dadurch werden Fremdbestimmtheit, Unsicherheit und Entscheidungsschwäche manifest.

Der Erfolg eines Menschen in der realen Welt hängt zum großen Teil davon ab, wie er fähig ist, sich zu entscheiden. Die Fähigkeit eines Menschen, sich sinnvoll und konstruktiv entscheiden zu können, ist eng damit verbunden, wie stark sich seine intuitive Seite, seine rechte Gehirnhälfte und seine konstruktive Gewissenbildung entwickelt haben. Man kann noch so viele Fakten anhäufen, sich Zahlen und Daten einprägen, hervorragende Prüfungsergebnisse erzielen, Wissen jeglicher Art ansammeln. Dies ist zwar für den Erfolg auch nötig; ohne die Intuition, dieses mysteriöse Gespür, bleibt alles jedoch alles nur leblos. Nichts bewegt sich und nichts wird bewegt.

Um sich wieder zum Konkreten, zum Leben hinwenden zu können, muss Bewegung ins Spiel kommen. Innerhalb dieser Bewegung kann dann der gemeinsame Weg projektiert werden. Jeder technische, wirtschaftliche, gesellschaftliche Fortschritt beschwört so viele neue menschliche Probleme heraus, dass Lösungen nur noch im Kontext entstehen können. Große und gewaltige industrielle, gesellschaftliche, medizinische, technische Projekte und Unternehmungen werden in Zukunft notwendigerweise nur unter gemeinschaftlicher Leitung von Kaufleuten, Finanzleuten, Wissenschaftlern, Technikern, Psychologen, Humanisten gedeihen können. Zukunft ist jetzt.

Es wird Zeit, dass wir uns aus dem Gefängnis unserer eigenen Spezialisierungen, Prägungen, Sprachlosigkeiten, Selbstdarstellungsshows befreien und es stattdessen mit der Wahrhaftigkeit versuchen.