Jeder Mensch, ob klein oder groß, hat schon auf irgendeine Weise versucht Konflikte zu lösen. Manchmal mit Erfolg. Aber auch dann nicht ohne eine Schramme abbekommen zu haben. Warum? Unsere erlernten wie nachgeahmten Methoden zur Lösung von Auseinandersetzungen und Konflikte sind grob und primitiv, unzulänglich und kostspielig, gefährlich und destruktiv. Selbst wenn wir und dieser Methoden mit dem allerbesten Willen, der liebeswürdigsten Naivität oder der größtmöglichen Klugheit bedienten, würden sie dennoch nicht wirklich genügen.

Die zunehmende Komplexität der Welt und die wachsende Macht in den „falschen Händen“ fordern uns einfach heraus, unsere Methoden der Konfliktlösung zu überdenken. Wollen wir Konflikte sinnvoll und konstruktiv lösen, dann ist ein grundlegender Wandel in unserem Denken erforderlich. Die 3 Schritte sollen dabei helfen:

Der erste Schritt:

Ursachen für Konflikte gibt es reichlich. Die meisten entstehen durch unseren Hang zur „Rechthaberei“. Besser wäre also als ersten Schritte (wenn es nicht überhaupt der einzig notwendige ist) das Leben zu beobachten, ohne das, was geschieht sofort zu bewerten, zu beurteilen. Es passiert zwar noch nichts, aber diese Einstellung soll zunächst helfen, zu verstehen. Mehr nicht. Konfliktlösungen sind nur durch konkretes Tun oder manchmal auch Nicht-Tun möglich. Beides müssen wir auch wirklich wollen. Durch konsequentes dialektische Verhalten im Alltag vollenden wir diesen ersten Schritt. Bereitschaft zur Selbsterkenntnis und Akzeptanz sind Voraussetzungen für die Kunst der Konfliktlösung durch Überzeugung. Akzeptanz ist das Geltenlassen anderer Menschen, anderer Anschauungen, Sitten und Verhaltensweisen. Selbsterkenntnis ist das Wissen um die eigene Persönlichkeit in allen Facetten – und nicht nur die, die wir selbst mögen. Beides ist unbedingt notwendig für einen konstruktiven Umgang mit dem Kommunikationspartner. Gehe auf den anderen zu und löse mit ihm den Konflikt gemeinsam.

Diese menschliche Grundhaltung wird nirgendwo mehr vermittelt. Wer also in diesem Sinne Konflikte lösen will, der muss diese „neuartige“ Grundeinstellung wieder erlernen und einüben. Üben, üben, üben. Das ist das höchste Ziel eines Dialektik-Seminars Führungs- und Verhandlungstraining „Sich selbst und andere führen“. Annehmen und erleben, das ist der erste Schritt zur Konfliktlösung, denn Konflikte werden oft allein schon dadurch gelöst, dass sie als solche angenommen und nicht als unwillkommene Begleiter abgelehnt werden.

Der zweite Schritt:

Für jeden Konflikt gilt Analyse mit gesunden Menschenverstand und wertfreie Reflexion. Dabei kann uns wieder dialektisches Denken helfen, denn dialektisches Denken ist immer das Denken in den Argumenten des anderen und Dialektik verwendet Sprache. Sprache als Instrument, Wissen, Erkenntnis, Erfahrung übertragbar und mittelbar zu machen. Das ist zwar manchmal sehr starr, aber dennoch erforderlich, weil sonst niemand wüsste, worüber der andere eigentlich spricht. Darüber hinaus geht es ja beim Lösen von Konflikten immer um Erkenntniszuwachs und Wahrheit. Sprache im Sinne von Verhandlung hilft den Konflikt auf eine Sachebene zu heben. Lösungen sind auf der Sachebene leichter, als auf der emotionalen Ebene, denn jeder Konflikt ist vor allem und zuerst individuell – hat also für jeden eine andere Bedeutung.

Konfliktlösung wird dadurch möglich, dass folgende Regeln und Empfehlungen angewendet und vor allem gelebt werden:

  • Entwickeln Sie die innere Bereitschaft mit Ihrem Partner sprechen zu wollen. – Selbsterkenntnis – Vorurteile – Feind – Gegner – Partner – Absicht – Würde. Der andere bin auch ich.
  • Deutliches Interesse an dem Dialogpartner durch die nonverbale Kommunikation zeigen – aufrechte Sitzhaltung – Wesenshaltung – Entspannung –  Zuwendung – Wertschätzung
  • Sprechen Sie so verständlich, das der Partner Sie auch artikulatorisch versteht – Wertbeziehung – Wortentwertungen – Mühe
  • Eine emotional positive Gesprächsatmosphäre schaffen Gefühle führen zum Handeln
  • Vermeiden Sie es, vorwiegend in Behauptungen zu sprechen – Vermeiden Sie Suggestiv-Aussagen
  • Das kommunikative Handeln so gestalten, dass Sie zu Ihrem Gesprächspartner keine Distanz aufbauen  – nur durch Nähe ist Verstehen möglich
  • Das kommunikative Handeln so gestalten, dass nach oder durch die Konfliktlösung kein Besiegter hinterlassen wird oder eine neuer Konflikt entsteht. Bestrafung-Bedrohung
  • So die Interaktionen gestalten, dass Ihr Gewissen die handlungsleitende Instanz bleibt. (nicht der Verstand)

 

Der dritte Schritt:

Das ist zur Erleuchtung zu kommen:

  •  Verstand kennen und erkennen
  •  Wissen um das Funktionieren des Lebens haben
  •  Akzeptanz des SELBST im Kontext mit dem SELBST und meinem Leben (ich bin immer auch der andere)
  •  wirkliche Kommunikation.

Und auch bei diesem Schritt kann die Dialektik sehr hilfreich sein, denn dialektische Verhandlung ist menschliche Kommunikation und somit gelebte Menschlichkeit.  Diese Fertigkeit ist ein Weg zur wirklichen Kommunikation, der in Harmonie und Zufriedenheit mündet. Wirkliche Kommunikation ist nicht die Masse der Worte und anderen Zeichen und Symbole, die versucht, die Wahrheit aus dem zu machen, was nicht wahr ist, sondern nur das, was Wahrheit reflektiert. Die einzige Art in der Sie wahrhaftig kommunizieren können ist die Wahrheit zu sagen. Diese Kommunikation bewegt Menschen, löst Konflikte.

Kommunikation ist immer Bereicherung. Diese Intention ist das Wesentliche einer erfolgreichen Verhandlung. Sie geht von dem aus, der Sie sind – und von der Sache, dem Grund des Konfliktes. Ohne diese Fähigkeit können Sie weder Konflikte noch Probleme lösen. Ihre Verstandesmaschine spielt Spiele, meist Spiele des RECHT-HABENS. Laufen diese Spiele erst einmal, dann sind Konfliktlösungen nur noch beschränkt möglich – manchmal gar nicht mehr möglich. Gründe, Urteile, Glaubenssysteme, Schuld, Rechtfertigungen sind das, was sie sind, nämlich Mittel des Recht-habens. Recht-haben heißt den anderen ins UNRECHT setzen, heißt aber nicht Konflikte zu lösen. Wenn wir Recht-haben wollen, wenn wir siegen wollen, dann muss ein anderer verlieren.

So werden dann die geschäftlichen, persönlichen, ehelichen Beziehungen zu einem Wettkampf. Konfliktlösungen sind nicht mehr möglich. Im Wettkampf geht es ums Siegen, manchmal ums Überleben. Für das Überleben ist das Organsystem Verstand zuständig. Er wird alles tun diesen Zweck zu erreichen. Sie werden entmachtet. Können nicht mehr denken. Denken und Verstand sind zweierlei. Nur so eine Idee:

  • Warum sollen Sie nicht anderen Recht geben?
  • Was würde es an der Wahrheit ändern?
  • Was würde es an Ihnen und Ihrem SELBST ändern?

Und noch eine Idee: Bedenken Sie, Sie sind immer auch der andere. Ohne den anderen können Sie nicht wissen, dass es Sie gibt. Also, lassen Sie, lassen Sie zu – akzeptieren Sie!

„Es ist kein Tag so streng und heiß, dass sich der Abend nicht erbarmt, und den nicht gütig, lind und leis´die mütterliche Nacht umarmt.“ (Hermann Hesse)